Sport - Bewegung - Diabetes mellitus - Schlaf  u.a.


 

Weltherztag

 

Am 29.9. findet wieder der jährliche Weltherztag statt. 

In diesem Rahmen regt die Deutsche Herzstiftung dazu an, auf die Herzgesundheit zu achten. Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf Maßnahmen zur Vorbeugung eines Herzinfarktes.

Weitere spannende Informationen können unter  info@herzstiftung.de  abgerufen werden. 


 

Wird 'Polypille' neuer Standard? 

 

Nach einem Herzinfarkt ist zur Vorbeugung die Behandlung mit mehreren Medikamenten etabliert. 

Üblicherweise werden die Medikamente vom Patienten einzeln eingenommen. Es ist bekannt, dass die Zuverlässigkeit einer regelmäßigen Tabletten-Einnahme mit der Zahl der verordneten Medikamente leidet. Aktuell wurde daher das klassische Vorgehen verglichen mit der Gabe einer Polypille, die wichtige  Komponenten in einer Tablette vereinigt. Die Polypille enthielt Acetylsalicylsäure (ASS), den Cholesterinsenker Atorvastatin und den ACE-Hemmer Ramipril. Es wurden rund 2500 Patienten innerhalb von 6 Monaten nach einem Herzinfarkt den beiden Strategien zufallsmäßig (randomisiert, wie beim Werfen einer Münze) zugeteilt. Danach wurde über einen Zeitraum von im Mittel 36 Monaten das Auftreten kardiovaskulärer Komplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskuläre Todesfälle, Eingriffe zur Verbesserung der Durchblutung) dokumentiert. Insgesamt traten bei 9,5% der Patienten mit Polypille kardiovaskuläre Komplikationen auf, im Vergleich zu 12,7% der Patienten mit herkömmlicher Medikamenten-Einnahme. Patienten mit Polypille wiesen wie erwartet eine zuverlässigere Medikamenten-Einnahme auf. 

 

  • Castellano J. N Engl J Med. 2022 Aug 26. doi: 10.1056/NEJMoa2208275.  

 

Kommentar: Mit dem Konzept der Polypille wurde in dieser Studie eine zuverlässigere Medikamenten-Einnahme erreicht. Dies hatte offensichtlich Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-Risiko. Grundsätzlich, so der Studienleiter V. Fuster, gehe es um die Frage, ob man die Behandlung individualisiert durchführt oder sich für möglichst einfache Lösungen entscheidet. Gute Argumente gebe es für beide Vorgehensweisen. Zumindest muss weiterhin ganz individuell, in Absprache mit dem Arzt des Vertrauens, die geeignete Strategie (Polypille oder einzelne Medikamente) aus- gewählt werden.  


 

Sport mindert Risiken von COVID-19

 

Aktuell wird über den vorbeugenden Einfluss von sportlicher Aktivität im Rahmen der Corona-Pandemie berichtet. Dazu wurden bisherige Studien mit insgesamt mehr als 1.8 Millionen Personen zusammenfassend analysiert. Im Vergleich zu sportlich Inaktiven fiel das Risiko für eine Corona-Infektion bei sportlich Aktiven zwar nur um 11% geringer aus. Im Fall einer Infektion war der Krankheits-Verlauf bei Sportlern aber wesentlich milder. Es wurden 34% weniger schwere Verläufe beobachtet, auch waren 36% weniger Krankenhaus-Behandlungen erforderlich. Darüber hinaus traten 43% weniger Corona-bedingte Todesfälle auf. 

Die besten Ergebnisse zeigten sich bei einer mäßigen körperlichen Belastung von 150 Minuten oder einer intensiven Belastung von 75 Minuten pro Woche. 

  •  Ezzatvar Y. British Journal of Sports Medcine. doi 10.1136/bjsports-2022-105733

Kommentar: Über den günstigen präventiven Einfluss sportlicher Aktivität war früher auch in Bezug auf andere Infektions-Erkrankungen, wie z.B. Grippe-Erkrankungen, Lungen-Entzündungen u.a. berichtet worden. 


 

Grippe-Impfung besonders nach Herzinfarkt 

 

Aktuell wurden die Ergebnisse von 6 randomisierten Studien zur Wirksamkeit der Grippe-Impfung in Bezug auf zukünftige kardiovaskuläre Komplikationen zusammengefasst. Rund 9000 Patienten hatten zufallsmäßig (wie beim Werfen einer Münze) entweder eine Influenza-Impfung erhalten oder ein Schein-Medikament (Placebo). Im Verlauf von 12 Monaten waren bei 3,6 % der Patienten mit Impfung und bei 5,4% der Patienten ohne Impfung kardiovaskuläre Ereignisse aufgetreten (z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall). Dies entspricht einer Abnahme des relativen Risikos von 34%. Besonders groß war der Nutzen für Patienten, die im Zeitraum vor der Impfung bereits eine akutes Koronar-Syndrom (meist Herzinfarkt) erlitten hatten. Hier zeigte sich sogar eine 45%ige relative Risiko-Reduktion und eine um 56% geringere Sterblichkeit.

  • Behrouzi B. JAMA Netw Open. 2022;5(4):e228873. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.8873

Kommentar: Den neuen Ergebnissen kommt ein hoher wissenschaftlicher Stellenwert zu, da ausschließlich randomisierte Studien berücksichtigt wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen den  besonderen Nutzen der Grippe-Impfung bei Patienten nach bereits durchgemachtem Herzinfarkt. Daneben bestehen weitere Vorteile wie die Vermeidung einer Grippe-Infektion mit den dazugehörigen Komplikationen wie z.B. Lungen-Entzündungen.


 

Gefahren für Herz und Kreislauf durch Hitze

 

In einer aktuellen Zusammenfassung bisheriger Studien zu den Auswirkungen eines heißen Klimas ging mit jedem Grad Temperatur-Zunahme ein höheres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle einher. In Hitzewellen nahm die Gesamt-Sterblichkeit sogar um 17% zu.

  • Liu J. Lancet Planetary Health, June 2022 (DOI: 10.1016/S2542-5196(22)00117-6 
  • Ärzteblatt.de 17.6.2022

Kommentar: In Hitzeperioden drohen Überhitzung des Körpers, Flüssigkeitsmangel und durch verstärktes Schwitzen auch Mangel an wichtigen Elektrolyten wie z.B. Kalium. Neben den o.g. gravierenden Auswirkungen sind andere vielfältige Beschwerden wie Schwäche und Müdigkeit, Kopfschmerzen, Blutdruck-Abfall, Kollaps-Neigung, Muskelkrämpfe, Herz-Rhythmusstörungen und Verwirrtheits-Zustände mögliche Folgen. 

Zu den allgemeinen Schutz-Maßnahmen zählen eine kühle, schattige Umgebung, luftige Kleidung, das Vermeiden starker körperlicher Aktivität und schwerer Mahlzeiten. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung sollte auf eine ausreichende Trinkmenge, etwa 1-2 Liter täglich zusätzlich, bei starker körperlicher Aktivität unter Umständen auch mehr, geachtet werden. Geeignet sind z.B. Beispiel Mineralwasser oder verdünnte Fruchtsäfte. Dabei sollten die Getränke nicht stark gekühlt sein, da sonst die Wärmeproduktion im Körper unnötig angeregt wird.

Bei Älteren und Kranken ist oft das Durstgefühl erloschen, sodass hier besonders auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten ist. Bei Patienten mit Herzschwäche muss auch eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr vermieden werden. Zweimal tägliches Wiegen (morgens und abends) kann helfen, die schwierige Flüssigkeits-Balance zu erhalten. Wenn das Gewicht im Tages-Verlauf um mehr als 500g zunimmt, kann dies auf ein "Zuviel" an Flüssigkeit  hinweisen. Gerade bei Patienten mit Herzschwäche aber auch bei Patienten, die mit Blutdruckmitteln behandelt werden, kann in enger ärztlicher Absprache auch eine Reduktion von Medikamenten, z.B. von Wasser-Tabletten (Diuretika) oder Blutdruckmitteln sinnvoll sein. Für ausführlichere Informationen siehe auch: Voigtländer T., Deutsche Herzstiftung 17.6.2022


 

Neues Diabetes-Mittel zum Abnehmen 

 

Mit Tirzepatid wurde erstmals ein Diabetes-Mittel mit neuem Wirk-Prinzip (s. Kommentar) zur Gewichtsabnahme untersucht. In der aktuellen Studie erhielten rund 2500 Patienten mit Übergewicht (Mittelwert 104,8 kg) die Substanz Tirzepatid in 3 unterschiedlichen Dosierungen oder Placebo (Schein-Medikament). Die Zuteilung zu den verschiedenen Gruppen war randomisiert (zufallsmäßig, wie beim Werfen einer Münze). Die Patienten erhielten für 1,5 Jahre wöchentlich eine subkutane Injektion (unter die Haut). Je nach Dosis konnte im Mittel eine Reduktion des Körpergewichts um 15,0 bis 20,9% erreicht werden. Das Gesamt-Körperfett nahm um bis zu einem Drittel ab. Als Nebenwirkung wurden insbesondere Magen-Darm-Beschwerden beobachtet. Je nach Dosis-Gruppe wurde die Behandlung bei 4,3 bis 7,1% der Patienten abgebrochen. 

  • Jastreboff A. New Engl J Med, June 4, 2022, DOI: 10.1056/NEJMoa2206038 

Kommentar: Das Präparat ist in den USA bereits zur Behandlung des Diabetes zugelassen. Aufgrund der genannten Studien-Ergebnisse wird  eine rasche Zulassung auch zur Gewichts-Abnahme erwartet. Die Entscheidungen der europäischen Arzneimittel-Behörden (EMA) stehen aus. 

Bei den sog. Inkretinen handelt es sich um körpereigene Darm-Hormone. Die wichtigsten Inkretine sind das GLP-1 (Glukagon-like-Peptide 1) und das GIP (Glucose-dependent insulinotropic Peptide). Diese Hormone werden nach der Nahrungsaufnahme im Darm freigesetzt. Die Hormone senken einerseits den Blutzuckerspiegel durch vermehrte Insulin-Produktion in der Bauchspeicheldrüse. Andererseits bewirken sie im Gehirn ein Sättigungs-Gefühl. Zur therapeutischen Anwendung wurden die Hormone nachgebaut (Inkretin-Analoga). Sie werden ähnlich wie bei einer Insulin-Behandlung unter die Haut gespritzt. Besonders sog. GLP-1-Agonisten (z.B. Semaglutid, Liraglutid) haben sich bereits bei der Diabetes-Behandlung und in jüngster Zeit auch zunehmend zur Gewichts-Reduktion bewährt. Während die genannten Substanzen aber nur an einem Rezeptor (GLP-1) ansetzen, gelingt mit Tirzepatid eine duale Wirkung (GLP-1 und GIP). Dies hat auch zu der Bezeichnung als Twinkretin geführt. 


 

HerzFit-App der Herzstiftung

 

  • Mit der neuen HerzFit-App der deutschen Herzstiftung können wichtige persönliche Gesundheits-Daten wie Blutdruck, Puls, Gewicht, Cholesterin und Langzeit-Blutzucker gespeichert und im Verlauf dargestellt werden.
  • Ein Risiko-Rechner erlaubt die Abschätzung des individuellen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Darüber hinaus finden sich praktische Tipps zu gesunder Ernährung, Rauchstopp, Stressbewältigung und mehr Bewegung.
  • Auch bietet die HerzFit-App eine Fülle an Informationen zur Herzgesundheit in Form von  Texten, Videos und Podcasts.
  • Wichtiges zur Vorbeugung von Herzerkrankungen und Herzinfarkt sowie auch zu bestehenden Herzerkrankungen wie Rhythmusstörungen, Herzschwäche oder Herzklappen-Erkrankungen wird vermittelt.
  • Die HerzFit-App kann kostenfrei im Apple-Store (für iPhone) oder im Google PlayStore (Android) auf das Smartphone heruntergeladen werden.  

 

 

Bewegung schützt vor Schlaganfall

 

Bei rund 7600 Teilnehmern (mittleres Alter 63 J.) wurde die körperliche Bewegung objektiv durch Tragen eines Accelerometers (Sensor, der die Beschleunigung eines Körpers misst) über 7 Tage erfasst. Danach wurden die Teilnehmer über 7,4 Jahre begleitet. Bei dem Drittel der Teilnehmer mit der geringsten körperlichen Bewegung war das Risiko für einen Schlaganfall rund 44% höher als bei dem Drittel der Teilnehmer mit der höchsten körperlichen Aktivität. 

  • Hooker S.  June 3, 2022 JAMA Netw Open. 2022;5(6):e2215385. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.15385 

Kommentar: Die objektive Messung des Bewegungs-Profils belegt den präventiven Nutzen körperlicher Aktivität. Mehr bewegen und weniger Sitzen erscheint als geeignete Strategie auch zur Vermeidung von Schlaganfällen. 


 

Schlechtere Hirnleistung bei Übergewicht

 

In einer aktuellen Studie wurde der Zusammenhang von Körpergewicht und kognitiver Leistungs-Fähigkeit untersucht. Dazu wurden bei mehr als 9000 Teilnehmern kognitive Funktions-Teste durchgeführt. Das Viertel der Teilnehmer mit dem geringsten Körpergewicht und das Viertel der Teilnehmer mit dem höchsten Körpergewicht wurde miteinander verglichen. Dabei zeigte sich bei den übergewichtigen Personen eine schlechtere Hirnleistung, die etwa einer vorzeitigen Hirn-Alterung von 3 Jahren entsprach.

  • Anand S. JAMA Netw Open. 2022;5(2):e2146324. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.46324

Kommentar: Die Ergebnisse legen nahe, dass die Vermeidung von Übergewicht neben anderen Vorteilen auch die kognitive Leistungs-Fähigkeit günstig beeinflussen kann. 


 

Mehr Bauchfett durch Schlafmangel

 

In einem aktuellen Experiment erhielten gesunde freiwillige Teilnehmer nur für täglich 4 Stunden Gelegenheit zum Schlafen. In einer Vergleichsgruppe konnten die Teilnehmer bis zu 9 Stunden schlafen. Bezüglich der Ernährung bestanden in beiden Gruppen keine Vorgaben. Bei den Teilnehmern mit Schlafmangel kam es im Verlauf von 2 Wochen zu einer verstärkten Nahrungs-Aufnahme mit Zunahme des Körpergewichts und des Bauchfetts. 

  • Covassin M. J Am Coll Cardiol, 2022; 79 (13):1254-1265 

Kommentar: Bereits in früheren Untersuchungen war ein Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Kalorien-Aufnahme aufgefallen. Mit der aktuellen Untersuchung konnte experimentell gezeigt werden, dass eine mangelnde Schlafdauer sich offenbar ungünstig auf das Ernährungs-Verhalten  und damit auf das Körpergewicht auswirkt. Dabei gelten Fettablagerungen im Bauch-Bereich oder sog. viscerales Fett gesundheitlich als besonders bedenklich. Durch Freisetzung bestimmter Botenstoffe werden Entzündungs-Prozesse gefördert, die langfristig das Risiko für Tumor-Erkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.


 

Sport schützt bei COVID-19

 

Aktuell wurden die Auswirkungen regelmäßiger sportlicher Aktivität auf den Verlauf der Corona-Infektion bei rund  65.000 Patienten untersucht. Die Patienten wurden je nach vor der Erkrankung  ausgeübter körperlicher Aktivität in 3 Gruppen eingeteilt: Geringe Aktivität (weniger als 60 Minuten in der Woche), mittlere Aktivität (60-150 Minuten pro Woche) und hohe Aktivität (mehr als 150 Minuten pro Woche). Bei mittlerer oder hoher Aktivität traten im Vergleich zu geringer Aktivität deutlich weniger schwere Krankheits-Verläufe auf. 

 

                                                             Mittlere Aktivität          Hohe Aktivität

Krankenhaus-Aufnahme                          - 13%                                -34%

Intensiv-Station                                         - 20%                                -41%

Beatmung                                                   - 27%                                -45%

Todesfälle                                                  - 21%                                - 42%

 

  • Steenkamp L: Br J Sports Med. 2022;0:1-10. http://dx.doi.org/10.1136/bjsports-2021-105159

Kommentar: Zu den positiven Auswirkungen sportlicher Aktivität zählt die Stärkung des  Immunsystem. Auch im Falle einer Corona-Infektion sind körperlich Aktive deutlich besser vor schweren Krankheits-Verläufen geschützt.   


 

Am besten Kraft- und Ausdauer-Sport

 

In einer aktuellen Zusammenfassung mehrerer Studien wurden insbesondere die Auswirkungen von Kraftsport untersucht. Die regelmäßige Ausübung von Kraftsport war mit einem 10-20% geringeren Risiko für Todesfälle, kardiovaskuläre Komplikationen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) und Krebs-Erkrankungen verbunden. Dies ließ sich bei einer wöchentlichen Trainingsdauer von 30-60 Minuten erreichen. Zusätzlicher Ausdauersport (nur in einem Teil der Studien berücksichtigt) ging mit einer weiteren Risiko-Minderung einher. 

  • Momma H et al. Br J Sports Med 2022;0:1–10. doi:10.1136/bjsports-2021-105061

Kommentar: In einer älteren Analyse (siehe früheren HERZ-NEWS-Beitrag "Wieviel Kraftsport wird empfohlen" weiter unten) war sogar bei einer Trainings-Dauer bis zu 2,5 Stunden pro Woche ein zunehmender Nutzen nachgewiesen worden. Natürlich müssen für Patienten mit Vorerkrankungen oder bestehenden Einschränkungen die Empfehlungen individuell angepasst werden. 


 

Herzkrank durch Einsamkeit

 

In der aktuellen Studie wurde untersucht, wie sich subjektiv empfundene Einsamkeit und/oder objektiv gegebene soziale Isolierung auf die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen auswirken. Dazu wurden rund 58.000 bisher herzgesunde Frauen im Alter ab 65 Jahren im Verlauf begleitet. Frauen die sowohl an Einsamkeit als auch sozialer Isolierung litten, hatten ein um 13-27% erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall u.a.).

  • Golaszewski N. JAMA Netw Open. 2022;5(2):e2146461. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.46461 

Kommentar: Sowohl für empfundene Einsamkeit als auch soziale Isolierung ist ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Übergewicht, körperliche Inaktivität und Rauchen bekannt. Die aktuelle Untersuchung deutet auch auf ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Dies sollte im Rahmen einer umfassenden Prävention berücksichtigt werden. 


 

Im Schlaf Gewicht abnehmen

 

Für die aktuelle Untersuchung wurden 80 Personen mit leichtem Übergewicht ausgewählt, die gewohnheitsmäßig weniger als 6,5 Stunden schliefen. Die Teilnehmer wurden randomisiert (zufallsmäßig, wie beim Werfen einer Münze) in 2 Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe blieb bei dem gewohnten Schlaf-Rhythmus. Die andere Gruppe wurde in einem Beratungs-Gespräch zu einer längeren Schlafdauer motiviert. In dieser Gruppe nahm die Schlafdauer im Mittel um 1,2 Stunden zu. Die beiden Gruppen wurden über 2 Wochen begleitet. Es zeigte sich, dass die Teilnehmer mit längerer Schlafdauer täglich durchschnittlich 270 Kcal weniger zu sich nahmen als Teilnehmer mit unverändertem Kurzschlaf-Verhalten.

  • Tasali E. JAMA Intern Med. Published online February 7, 2022. doi:10.1001/jamainternmed.2021.8098

Kommentar: In früheren Untersuchungen war bereits ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und kurzer Schlafdauer aufgefallen. Mit der aktuellen Untersuchung konnte gezeigt werden, dass eine ausreichende Schlafdauer sich offenbar günstig auf die Kalorien-Aufnahme und damit auf das Körpergewicht auswirkt. Dies sollte zukünftig auch bei Diät-Programmen/-Planungen berücksichtigt werden. 


 

KHK: Lebensstil wichtiger als Gene

 

Bei mehr als 10.000 Teilnehmern im Alter über 45 Jahre und ohne Koronare Herzkrankheit (KHK - Atherosklerose der Herzkranz-Gefäße) wurde das Risiko ermittelt, im weiteren Lebensverlauf eine Koronare Herzkrankheit zu erleiden. Insgesamt kam es bei 27% der Teilnehmer im weiteren Lebensverlauf zu einer KHK. Die Forscher untersuchten darüber hinaus den Einfluss wichtiger beeinflussbarer Risiko-Faktoren (Rauchen, Gewicht, Cholesterin, Blutzucker, Blutdruck, Körperliche Inaktivität, Ernährung) auf das Lebenszeit-Risiko. Dafür bildeten sie aus den genannten Faktoren einen  Gesamt-Score. Bei dem Fünftel der Teilnehmer mit dem besten Score betrug das Lebenszeit-Risiko für eine KHK 17%, gegenüber 43% bei dem Fünftel der Teilnehmer mit dem schlechtesten Risiko-Profil. Auch wurde der Einfluss genetischer Faktoren für die Entwicklung einer KHK untersucht. Dabei zeigte sich bei Teilnehmern mit einer ungünstigen genetischen Veranlagung ein besonders großer Nutzen von einer guten Einstellung der beeinflussbaren Risiko-Faktoren.

  •  Hasbani N. Circulation. 31 Jan 2022https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.053730Circulation

Kommentar: Die Studien-Ergebnisse belegen einmal mehr den Nutzen einer guten Einstellung der beeinflussbaren Risiko-Faktoren bei allen Teilnehmern. Für Personen mit einem genetisch bedingt erhöhten Risiko sind die Ergebnisse besonders ermutigend. 


 

Kreislauf-Schäden bei Parodontose

 

Bei einer Parodontitis (oft auch als Parodontose bezeichnet) handelt es sich um eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates (Zahnbett einschließlich Zahnfleisch). Aktuell wurden rund 64.000 Patienten mit Parodontose mit mehr 250.000 Patienten ohne Parodontose verglichen. Patienten mit Parodontose litten häufiger (+ 43%) an kardiovaskulären Erkrankungen. Im weiteren Verlauf über rund 3,4 Jahre traten bei Parodontose nochmals 18% mehr kardiovaskuläre Komplikationen auf. Auch andere Erkrankungen wie z.B. Auto-Immun-Erkrankungen fanden sich deutlich häufiger bei Patienten mit Parodontose. 

  • Zemedikum D. BMJ Open, 2021 Dec 19;11(12):e048296. doi: 10.1136/bmjopen-2020-048296. 

Kommentar: Über schädliche Auswirkungen einer Parodontitis auf das Herz-Kreislauf-System ist bereits früher berichtet worden. Eine gute Mundhygiene kann also auch zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. 


 

Stillen schützt das Mutter-Herz

 

In einer aktuellen zusammenfassenden Analyse wurden nahezu 1,2 Millionen Schwangere über rund 10 Jahre begleitet. Bei Frauen, die gestillt hatten (82%), traten 14% weniger Koronar-Erkrankungen, 12% weniger Schlaganfälle und 17% weniger Todesfälle aus kardiovaskulärer Ursache auf. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen war umso geringer, je länger die Frauen  im Laufe des Lebens gestillt hatten.

  • Tschiderer L. Journal of the American Heart Association. 11. Jan. 2022;0:e022746. https://doi.org/10.1161/JAHA.121.022746 

Kommentar: In früheren Untersuchungen war schon nachgewiesen worden, dass Stillen mit einem geringeren mütterlichen Risiko für die spätere Entwicklung eines Diabetes mellitus einhergeht.  Auch das Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs war bei stillenden Frauen geringer. Daneben sind die positiven Auswirkungen auf die Kindes-Entwicklung bekannt.  


 

Partnerwahl nach Herz-Risiko?

 

Mehrfach wurde beobachtet, dass ältere Paare sich oft in ihren Risikofaktoren für Gefäß-Erkrankungen (Hoher Blutdruck, Fettwerte, Diabetes etc.) ähneln. Bisher war nicht klar, ob diese Ähnlichkeit sich durch Anpassung der Lebensbedingungen/Gewohnheiten über lange Zeiträume entwickelt oder ob der Grundstein schon primär bei der Partnerwahl gelegt wird. In China wurden 831 frisch verheiratete Paare im Hinblick auf Kardiovaskuläre Risikofaktoren untersucht. Dabei fanden sich deutliche Übereinstimmungen sowohl für die Blutdruck-Werte, als auch Cholesterin- und Triglycerid-Werte zwischen den Partnern. 

  • Ravi Retnakaran, JAMA NetwOpen. 2021;4(12):e2140578. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.40578

Kommentar: Bereits bei der Partnerwahl wird zumindest teilweise eine Ähnlichkeit auch im kardiovaskulären Risiko-Profil abgebildet, die sich bei älteren Paaren oft nachweisen lässt. 


 

Laufen bringt Hirn auf Trab

 

Über vielfältige positive Effekte von Laufen ist oft berichtet worden. Bisher liegen nur wenige Untersuchungen zu den Auswirkungen von Laufen auf Hirnfunktionen vor. 

Aktuell wurden 26 gesunde Personen in Ruhe und nach 10-minütigem Laufen mit mittlerer Geschwindigkeit untersucht. Im sog. präfrontalen Cortex (Vorderster Hirn-Abschnitt) konnte mit Hilfe der Nah-Infrarot-Spektroskopie durch Laufen eine verbesserte Sauerstoff-Versorgung nachgewiesen werden. Die Aktivierung dieser Hirn-Region ging mit verbesserten kognitiven Funktionen (Aufmerksamkeit, Erinnerung, Planung, Problemlösung, Emotions-Kontrolle u.a.) sowie einer verbesserten Stimmungs-Lage einher.   

  • Damrongthai C. Scientific Reports volume 11, Article number: 22657 (2021) 

Kommentar: Nur 10 Minuten Laufen führte nachweislich zu verbesserten Hirnfunktionen und einer besseren Stimmungs-Lage der Teilnehmer. 


 

Einfluss von Stress auf biologisches Alter

 

Das biologische Alter, im Vergleich zum kalendarischen Alter, kann mit modernen Methoden der Genetik festgestellt werden. So wird hierzu z.B. die Länge der Telomere (Endstücke der DNA-Fäden) in den Chromosomen oder das Ausmaß der sog. Methylierung (Zahl der Methyl-Gruppen) an bestimmten Regionen der Erbsubstanz herangezogen. In einer aktuellen Studie mit 444 gesunden Probanden einer Normal-Bevölkerung (Alter 18-50 Jahre) wurde neben dem biologischen Alter auch das Ausmaß der Stress-Belastung gemessen, sowie psychische Eigenschaften, die zur Stress- Bewältigung dienen. Es konnte nachgewiesen werden, dass eine hohe kumulative Stress-Belastung mit einer rascheren biologischen Alterung einhergeht. Auch konnten die Forscher zeigen, dass Stress-mindernde Faktoren wie ein hohes Maß an Resilienz (etwa Widerstandskraft, Flexibilität, "Innere Stärke" u.a.) dieser vorzeitigen Alterung entgegenwirken.  

  • Harvanek Z. Translational Psychiatry, volume 11, Article number: 601 (2021) 

Kommentar: In dieser Studie konnte erstmals an einer gesunden Bevölkerungsgruppe der Einfluss von Stress auf das biologische Altern nachgewiesen werden, und zwar in beide Richtungen. 


 

Höheres Risiko bei Vitamin D-Mangel

 

Bisher liegen widersprüchliche Ergebnisse für den Zusammenhang von Vitamin D (25-OH-D3) und kardiovaskulären Komplikationen vor. Mit einem speziellen statistischen Verfahren (Mendelsche Randomisierung) wurde aktuell der Zusammenhang von Vitamin D-Spiegel und Sterblichkeit bei rund 380.000 Personen untersucht. Ein solcher Zusammenhang konnte bei Personen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel (< 10 ng/ml) nachgewiesen werden. Zum Vergleich bestand bei einem um 4 ng/ml höheren Spiegel eine 30% geringere Sterberate. Tendenziell fanden sich auch geringere Raten für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Ab einem Spiegel von 16 ng/ml ließ sich kein höheres Risiko mehr nachweisen.  

  • Burgess S. Lancet Diabetes Endocrinol 2021; 9: 837–46 

Kommentar: Die Ergebnisse legen nahe, dass Patienten mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln von einer Ergänzung profitieren könnten. Dies sollte aber noch in prospektiv-randomisierten Studien geprüft werden. 


 

Raucher haben seltener 2. Chance

 

Mehr als 100.000 Personen ohne bisher bekannte kardiovaskuläre Erkrankung wurden im Langzeit-Verlauf begleitet. Bei rund 40% trat im Verlauf ein kardiovaskuläres Ereignis auf (Herzinfarkt, Schlaganfall, akute Herzschwäche u.a.). Diese Ereignisse traten bei aktiven Rauchern ca. 4-5 Lebens-Jahre früher auf als bei Nicht-Rauchern. Das erste Auftreten eines solchen Ereignisses verlief bei Rauchern verglichen mit Nicht-Rauchern auch deutlich häufiger (+80%) tödlich.

  • Khan S. J Am Heart Assoc:e021751. https://doi.org/10.1161/JAHA.121.021751

Kommentar: Das höhere Erkrankungs-Risiko von Rauchern sowohl für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch andere Erkrankungen, wie z.B. Krebs, ist wohl bekannt. In der aktuellen Analyse zeigt sich, dass Rauchern nach einem ersten Ereignis, z.B. einem Herzinfarkt, seltener eine 2. Chance für einen Neu-Beginn bleibt. 


 

Multi-Vitamine als Hirn-Turbo

 

Auf einem aktuellen Alzheimer-Kongress wurden Daten der sog. COSMOS-Mind-Studie vorgestellt. Mehr als 2200 Teilnehmer hatten entweder täglich ein Multivitamin/Mineralien-Präparat oder ein Placebo (Schein-Medikament) über 3 Jahre eingenommen. Das mittlere Alter der Teilnehmer betrug 73 Jahre. Im Verlauf zeigte sich bei der Multivitamin-Gruppe eine rund 60% bessere kognitive Leistungs-Fähigkeit. Das Maximum des Effektes wurde nach 2 Jahren erreicht und blieb dann stabil. Der Effekt war besonders bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen ausgeprägt. 

  • Anderson P. Medscape Medical News © 11. Nov. 2021 
  • Baker L. 14th Clinical Trials on Alzheimer's Disease (CTAD) conference

Kommentar: Eine zunächst zurückhaltende Bewertung scheint angebracht, da eine frühere Untersuchung zu diesem Thema keinen relevanten Effekt gezeigt hatte (Physicians Health Studie II). 


 

Parkinson-Erkrankung nach Grippe

 

Die Parkinson-Krankheit betrifft das zentrale Nervensystem und äußert sich durch verlangsamte Bewegungen, Muskel-Steifigkeit und Zittern. In einer dänischen Untersuchung wurden mehr als 60.000 Personen im Langzeit-Verlauf begleitet. Diejenigen, die eine Grippe-Infektion durchgemacht hatten, wiesen nach 10 Jahren ein rund 70% höheres Risiko für die Entwicklung einer Parkinson-Erkrankung auf.

  • Cocoros N. JAMA Neurol. Published online October 25, 2021. doi:10.1001/jamaneurol.2021.3895

Kommentar: Die Ergebnisse legen nahe, dass Influenza-Viren auch langfristig das zentrale Nervensystem beeinträchtigen können. Eine Kausalität ist durch diese Beobachtungs-Studie allerdings nicht belegt. Neben den bekannten Risiken für Herz und Kreislauf können die Ergebnisse aber zusätzlich zur Prävention und Grippe-Schutzimpfung motivieren. 


 

Meditation verringert Stress-Hormone

  

Von mehr als 300 Teilnehmern wurden bei unterschiedlichen Formen mentalen Trainings wie z.B. Meditation die Stress-Hormone (Cortisol und Cortison) im Verlauf von 9 Monaten wiederholt in den Haaren gemessen. Es zeigte sich über üder 3-6 Monate eine deutliche Abnahme der Stresshormone.  

  • Puhlmann L. Psychosom Med. 2021 Oct 1;83(8):894-905. doi: 10.1097/PSY.0000000000000970

Kommentar: Die langfrisitige Exposition gegenüber Stress-Hormonen kann durch Meditation offensichtlich verringert werden. Dies kann sich postiv auf den Gesundheits-Zustand der Teilnehmer auswirken. 


Paradoxe Arterien-Verkalkung durch Sport?

 

In einer koreanischen Studie in Zusammenarbeit mit der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore wurden mehr als 25.000 Teilnehmer entsprechend ihrer körperlichen Aktivität in 3 Gruppen eingeteilt: inaktiv, mittlere Aktivität und intensive körperliche Aktivität. Zu Beginn und nach 5 Jahren wurde der sog. Calcium-Score mittel Koronar-CT gemessen. Dabei zeigte sich eine Zunahme des Calcium-Scores mit der Intensität der körperlichen Aktivität.

  • Sung KC. Heart Published Online First: 20 September 2021. doi: 10.1136/heartjnl-2021-319346

Kommentar: Denkbar wäre eine einfache mechanische Beeinträchtigung der Arterienwände, z.B. durch den vermehrten Blutfluss durch die Arterien oder den höheren Blutdruck während körperlicher Aktivität. Dies muss kein ungünstiges Ergebnis sein. Es ist bekannt, dass das Risiko für Herzinfarkte besonders von den fettreichen, weichen Ablagerungen und weniger von den harten Verkalkungen ausgeht. Dennoch überrascht der Befund und bedarf weiterer Forschung. Weiterhin empfiehlt sich regelmäßige körperliche Aktivität entsprechend den Leitlinien-Empfehlungen.   


 

Herz-Kreislauf-Risiko bei frühen Wechseljahren

 

Frauen mit frühem Eintritt der Wechseljahre (Menopause) vor dem 40. Lebensjahr hatten ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit (z.B. Herzinfarkt) oder von Schlaganfällen. Bei rund 16.000 US-Teilnehmerinnen fand sich im Verlauf von 10 Jahren ein 24% höheres Risiko bei schwarzen und ein 28% höheres Risiko bei weißen Frauen. 

  • Freaney PM, et al. JAMA Cardiol. 2021;doi:10.1001/jamacardio.2021.3490.
  • Welsh E, Cardiology Today, 16. Sept. 2021 

Kommentar: Bei früher Menopause sollte das erhöhte Risiko berücksichtigt und entsprechend präventive Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden. 


 

Grippe-Impfung nach Herzinfarkt lebensrettend

 

Rund 2500 Patienten erhielten nach einem Herzinfarkt randomisiert (zufallsmäßige Zuteilung, wie beim Werfen einer Münze) entweder eine Grippe-Impfung oder eine Placebo-Injektion. Auch erfolgte die Behandlung doppel-blind, d.h. weder der Patient noch der Arzt wussten, ob der jeweilige Patient den Impfstoff oder die gleich aussehende Placebo-Injektion erhielt. Nach einem Jahr ergab die Auswertung eine Gesamt-Sterberate von 2,9% nach Grippe-Impfung und 4,9% in der Placebo-Gruppe. Damit konnte das Sterberisiko relativ um 41% verringert werden. Ganz überwiegend lagen  kardiovaskuläre Todes-Ursachen zugrunde.  

  • Frobert O. Circulation. 30 Aug 2021https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.057042 

Kommentar: In früheren Beobachtungs-Studien hatten sich bereits mehrfach Belege für den Nutzen der Grippeschutzimpfung gezeigt. Die aktuelle Studie überzeugt durch den sehr hohen wissenschaftlichen Standard, insbesondere den Vergleich mit einer Placebo-Gruppe, die Randomisierung und doppel-blinde Durchführung der Studie.  


 

Finerenon bei Nierenschwäche und Diabetes

 

In einer früheren Untersuchung (FIDELIO-Studie) konnte bereits gezeigt werden, dass mit einem neuen Mineral-Rezeptor-Antagonist (MRA) bei Patienten mit Nierenschwäche und Diabetes seltener ein akutes Nierenversagen auftrat. Aktuell wurde bei rund 7400 Patienten im Vergleich zu einem Placebo-Präparat das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen (Tod, Infarkt, Schlaganfall Krankenhaus-Behandlung wegen Herzschwäche) ermittelt (FIGARO-Studie). Im Verlauf von 3,4 Jahren traten rund 13% weniger kardiovaskuläre Komplikationen, überwiegend weniger Krankenhaus-Aufnahmen wegen Herzschwäche, auf. Als Nebenwirkung kam es etwas häufiger zu einem erhöhten Kaliumspiegel.

  • Pitt B. NEJM. August 28, 2021.DOI: 10.1056/NEJMoa2110956

Kommentar: Für Patienten mit Nierenschwäche und Diabetes mellitus eröffnet sich damit eine  neue Therapie-Option zur Verringerung von kardiovaskulären Komplikationen und akuten Nierenversagen. Finerenon wurde in den USA von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA bereits zugelassen. 


 

Eindeutige Bilanz für Corona-Impfung

 

In einer aktuellen Studie aus Israel wurden die Häufigkeiten der Komplikationen nach einer SARS-CoV-2-Infektion und nach einer Corona-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer untersucht. Zum Vergleich wurden jeweils Personen herangezogen, die den Studien-Teilnehmern in wesentlichen Eigenschaften ähnelten. Mehr als 840.000 geimpfte Teilnehmer wurden mit ebenso vielen Nicht-Geimpften verglichen. Durch den Vergleich mit Normal-Personen der Allgemein-Bevölkerung kommen teilweise auch negative Zahlen zustande. Folgende Fallzahlen pro 100.000 Personen wurden beobachtet:

 

                                                         Impfung         Infektion

  • Herzinfarkt                                    1                     25
  • Myokarditis                                   3                     11
  • Perikarditis                                    1                     11
  • Rhythmus-Störung                      -6                   166
  • Lungenembolie                            -1                     62    
  • Venen-Thrombose                       -1                     43
  • Hirnblutung                                   -3                       8
  • Akutes Nierenversagen              -5                   125  
  • Lymphknotenschwellung           78                       3
  • Appendizitis                                   5                       4
  • Gürtelrose                                     16                     -9   
  • Barda N. NEJM, August 25, 2021. DOI: 10.1056/NEJMoa2110475 

Kommentar: Durch Impfung kann offensichtlich die große Mehrzahl schwerwiegender und teils lebensbedrohlicher Komplikationen verhindert werden. Demgegenüber steht lediglich eine leicht erhöhte Rate von Fällen mit Gürtelrose nach Impfung. Das häufigere Auftreten von vorüber-gehenden Lymphknoten-Schwellungen ist als Zeichen einer Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff zu werten. 


 

Auch weniger Bauchfett mit Liraglutid

 

Neben dem Vorhandensein von Übergewicht per se, kristallisiert sich zunehmend die Bedeutung der jeweiligen Lokalisation von Fett-Ansammlungen heraus. Insbesondere viszerale Fett-Depots (Bauchfett) gehen oft mit Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Hochdruck und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einher. In diesem Zusammenhang wurde der Einfluss von Liraglutid, einem Anti-Diabetes-Mittel aus der Gruppe der sog. GLP-1-Rezeptor-Agonisten, untersucht. Es wurden 128 übergewichtige Teilnehmer randomisiert (zufallsmäßige Zuteilung der Therapie, wie beim Werfen einer Münze) entweder mit Liraglutid 3mg (täglich subkutane Injektion) oder Placebo für im Mittel 36 Wochen behandelt. Alle Teilnehmer erhielten auch eine Empfehlung zu mehr körperlicher Aktivität und eine um 500 Kcal-reduzierte Diät. Vor Beginn und am Ende des Behandlungs-Zeitraums wurde ein MRT zur Beurteilung der Fett-Depots durchgeführt. Insgesamt nahm das Körper-Gewicht in der Liraglutid-Gruppe um 6,5% gegenüber 1,2% in der Placebo-Gruppe ab. Das Bauchfett nahm um 12,5% bzw. 1,6% in den beiden Gruppen ab. 

  • Neeland I. et al. Lancet Diabetes Endocrinol. 2021 Sep;9(9):595-605. doi: 10.1016/S2213-8587(21)00179-0

Kommentar: Das Potenzial der neuen Diabetes-Mittel wie Liraglutid, aber auch Semaglutid und Dulaglutid, zur Reduktion des Körpergewichts ist gut belegt. In der aktuellen Studie konnte nachgewiesen werden, dass auch die kritischen Fett-Depots betroffen sind. Ob dies überproportional im Vergleich zur Gewichtabnahme insgesamt zutrifft, lässt sich aus den vorliegenden Daten noch nicht mit hinreichender Gewissheit ableiten. 


 

Ein Herz für Fußballer

 

Für Fußball-Anhänger ist die aktuelle Untersuchung von besonderem Interesse. In dieser Studie wurde das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen im Alter (z.B. Demenz, Parkinson u.a.) bei mehr als 7600 früheren schottischen Fußball-Profis untersucht. Zum Vergleich dienten Personen, die in wesentlichen Merkmalen ähnlich waren, aber keine Laufbahn als Fußball-Profi absolviert hatten. Bei den Fußballern fand sich ein Risiko für neurodegenerative Erkrankungen von 5% im Vergleich zu 1,6% in der Vergleichsgruppe, also ein rund 3-fach höheres Risiko. Je länger die Fußball-Karriere dauerte, umso größer war das Risiko. Bei Aufschlüsselung der Spiel-Positionen zeigte sich das größte Risiko bei Verteidigern. Eine Karriere-Dauer von mehr als 15 Jahren oder die Spiel-Position als Verteidiger waren mit einem rund 5-fach erhöhten Risiko verbunden. 

  • Russell ER, et al. JAMA Neurol. 2021; doi:10.1001/jamaneurol.2021.2403.JAMA Neurology

Kommentar: Bei Profi-Boxern und vom "American Football" ist das Risiko wiederholter Kopf-Traumen für spätere Erkrankungen des Gehirns wohl bekannt. Offensichtlich hinterlässt auch der häufige Kopfeinsatz beim Fußball (Soccer) über lange Zeiträume Spuren. Im Hinblick auf die große Beliebtheit der Sportart und die große Zahl betroffener Spieler sollte dieser Frage dringend weiter wissenschaftlich nachgegangen werden. Dabei muss auch über den Einsatz eines Kopfschutzes, ähnlich wie beim "American Football", nachgedacht werden. Ggf. sind Modifikationen, die weniger hinderlich sind, aber dennoch eine ausreichende Schutzfunktion gewährleisten, zu entwickeln. Dann könnten Zuschauer sich weiter an artistischen Kopfball-Einlagen erfreuen, ohne dass Spieler ihre Gesundheit gefährden.    


 

Bewegung hilft auch nach Schlaganfall 

 

Insgesamt 895 Patienten wurden nach einem Schlaganfall über rund 5 Jahre begleitet. Bereits bei einer moderaten regelmäßigen körperlichen Aktivität von 30 Minuten täglichem Gehen oder Gartenarbeit fand sich eine 54% geringere Sterblichkeit in dem Beobachtungs-Zeitraum. Auch bei einer großen Vergleichs-Gruppe ohne vorhergehenden Schlaganfall war die körperliche Aktivität mit einer 31% geringeren Sterblichkeit verbunden.   

  • Joundi RA, et al. Neurology. 2021;doi:10.1212/WNL.0000000000012535 

Kommentar: Wie nach einem Herzinfarkt sollte regelmäßige körperlich Aktivität in den Tages-Ablauf integriert werden. Leider wurde in dieser Studie nicht untersucht, inwieweit sich evtl. noch bestehende funktionelle Einschränkungen nach Schlaganfall ebenfalls gebessert haben. 


 

Diabetes-Mittel gegen Nierenschwäche 

 

Das Diabetes-Mittel Dapagliflozin (Forxiga®) wurde jetzt EU-weit zur Behandlung von Patienten mit chronischer Nierenschwäche zugelassen, und zwar unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus. Über die positiven Studien-Ergebnisse, die zur Zulassungs-Erweiterung geführt haben, hatte HERZ-NEWS wiederholt berichtet (siehe frühere Beiträge weiter unten).

  • Pressemitteilung des Unternehmens AstraZeneca vom 9. August 2021
  • Kardiologie.org  9.8.2021

Kommentar: Dapagliflozin (Forxiga®) gehört zusammen mit Empagliflozin (Jardiance®) zur Gruppe der sog. SGLT-2-Hemmer, auch als Gliflozine bezeichnet. Ursprünglich nur zur Behandlung des Diabetes mellitus eingesetzt, hatten die Substanzen auch durch positive Wirkungen bei Patienten mit Herzschwäche überzeugt. Die jetzt erfolgte Zulassungs-Erweiterung von Dapagliflozin verbessert die bisher begrenzten therapeutischen Optionen zur Behandlung der chronischen Nierenschwäche.


 

Dem Vergessen davonlaufen 

 

In einer aktuell berichteten Studie wurden mehr als 8200 Personen (mittleres Alter 64 Jahre) über 17 Jahre begleitet. Rund 8% der Teilnehmer entwickelten im Verlauf eine Demenz. Bedeutendster Risiko-Faktor war dabei das höhere Alter. Allerdings war bei Teilnehmern, die sich sportlich betätigten (nur einmal pro Woche leichte sportliche Betätigung) das Risiko für das Auftreten einer Demenz um 70% geringer. Über 80-Jährige, die sportlich aktiv waren, hatten ein geringeres Demenz-Risiko als 50-69-Jährige ohne sportliche Aktivität.

  • Feter N. Alzheimer's Association International Conference (AAIC) 2021: Session 1-HO-10. July 26, 2021.
  • Brooks M. Medscape - Aug 05, 2021

Kommentar: Positive Wirkungen von Sport auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind hinlänglich bekannt. Siehe auch den Beitrag „Wieviel Kraftsport wird empfohlen?“ weiter unten. Nach Meinung der Autoren kann auch die Demenz-Entwicklung durch sportliche Aktivität aufgehalten werden. Es sollte aber noch in weiteren Untersuchungen das Zusammenwirken von Sport mit anderen Faktoren wie z.B. den Ernährungs-Gewohnheiten oder dem Ausmaß kognitiver Beanspruchung näher untersucht werden. 


 

Mehr Infektionen bei Diabetikern

 

In der aktuellen Untersuchung wurden rund 12.000 Teilnehmer über 24 Jahre (Median) begleitet. Dabei zeigte sich, dass Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein 67% höheres Risiko aufwiesen, wegen einer Infektion im Krankenhaus behandelt zu werden. Schwerpunktmäßig waren, wie zu erwarten, Infektionen der Füße betroffen, die bei Diabetikern etwa 6-mal häufiger auftraten. Aber auch für andere Infektionen bestanden höhere Risiken:

  • Atemwegs-Infektionen       +49%
  • Harnwegs-Infektionen        +58%
  • Sepsis (Blutvergiftung)       +92 %
  • Postoperative Infektionen  +95%

Wenn auch insgesamt die Sterblichkeit nicht sehr hoch war, so war doch bei Diabetikern eine 72% höhere Sterblichkeit festzustellen. 

  • Fang M. Diabetologia. 2021 Aug 4;1-8. doi: 10.1007/s00125-021-05522-3. Online ahead of print.
  • Monaco K.  Medpage Today 5.8.2021 

Kommentar: Die erhöhte Infekt-Anfälligkeit bei Diabetes mellitus erfordert in erster Linie eine gute Blutzucker-Einstellung. Auf weitere präventive Maßnahmen wie ausreichenden Impfschutz, z.B. gegen Influenza, sollte ebenso wie auf gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen geachtet werden. Auch kleinste Wunden/Verletzungen der Füße müssen ernst genommen werden und erfordern umgehend eine kompetente ärztliche Versorgung. 


 

Gefäß-Alterung bremsen

 

Die Steifheit der Aorta (Hauptschlagader des Körpers) gilt als Maß für den Alterungszustand der Blutgefäße. Aktuell wurde untersucht, wie sich sportliche Aktivität und Diät auf die Steifheit der Aorta auswirken. Dazu wurden 160 ältere Teilnehmer mit Übergewicht (BMI > 30 kg/qm) mittels MRT untersucht. Die Teilnehmer wurden in 3 Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe übte nur Ausdauersport (an 4 Tagen die Woche jeweils 30 Minuten) aus. In den beiden anderen Gruppen hielten die Teilnehmer sich zusätzlich an eine entweder leichte oder intensivere Kalorien-Reduktion. Es zeigte sich im Verlauf von 5 Monaten, dass die Steifheit der Aorta besonders bei einer Kombination von Ausdauer-Belastung und leichter Kalorien-Reduktion (um 200 Kilokalorien) abnahm. Zusätzlich nahmen die Teilnehmer dieser Gruppe 8 kg Gewicht ab.

  • Brinkley T. Circulation. 2021;144:00–00. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.051943

Kommentar: Offensichtlich lässt sich der Alterungs-Zustand der Blutgefäße durch einfache Lebensstiländerungen wie moderate Ausdauerbelastung und leichte Kalorien-Reduktion verbessern.  


 

Omega-3-Fettsäuren im Blut und Lebenserwartung

 

In einer aktuellen Studie wurden bei 2240 Personen ohne bisherige Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Omega-3-Fettsäuren (O-3-FS) im Blut untersucht. Die Teilnehmer wurden über 11 Jahre begleitet. Dabei zeigte sich, dass die Omega-3-Fettsäuren im Blut genauso das Sterberisiko vorhersagten wie die Gesamtheit der klassischen Risikofaktoren (Cholesterin-Erhöhung, Diabetes, Hochdruck, Rauchen, Alter u.a.). Auch zeigte sich, dass die Lebens-Erwartung von Rauchern der von Nicht-Rauchern entsprach, sofern sie hohe Spiegel an O-3-FS im Blut aufwiesen. Die längste Lebenserwartung hatten Nicht-Raucher mit hohen O-3-FS-Spiegeln, die kürzeste hatten Raucher mit niedrigen O-3-FS-Werten im Blut.  

  • McBurney M. The American Journal of Clinical Nutrition, nqab195, https://doi.org/10.1093/ajcn/nqab195

Kommentar: Die Messung von O-3-FS im Blut hatte die gleiche prognostische Aussagekraft wie die klassischen Risiko-Faktoren. Es ist bekannt, dass regelmäßiges Rauchen mit einer Lebensverkürzung von im Mittel etwa 4,7 Jahren einhergeht. Dies kann scheinbar bei hohem O-3-FS-Spiegel kompensiert werden. Dadurch sollen natürlich nicht die Gefahren des Rauchens relativiert werden. Auch lässt sich ein kausaler Zusammenhang nicht beweisen. Andere Faktoren, wie z.B. ein insgesamt gesünderer Lebensstil von Personen mit hohem O-3-FS-Spiegel, könnten ebenfalls das Ergebnis beeinflusst haben. 


 

Wieviel Kraftsport wird empfohlen?

 

Der Nutzen von Ausdauer-Sport ist gut belegt. Die Datenlage bezüglich Kraftsport ist weniger gut gesichert.

 

Vorteile von Ausdauer-Belastungen

Für Ausdauer-Belastungen ist über eine Abnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Todesfällen, Schlaganfällen, hohem Blutdruck, Diabetes mellitus, einigen Tumor-Formen, Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen und eine Verbesserung kognitiver Fähigkeiten berichtet worden. Aktuelle Leitlinien empfehlen 150-300 Minuten aerobe körperliche Aktivität mit mittlerer Intensität oder 75-150 Minuten mit hoher Intensität pro Woche, aufgeteilt auf möglichst viele Tage in der Woche. Aerob bedeutet, dass die erforderliche Energie für das Belastungs-Niveau noch über den Lungen-Sauerstoff bereitgestellt werden kann.  

 

Ergebnisse und Empfehlungen für Kraftsport

Ein Forscherteam der Harvard-Universität und der Universität Sao Paulo hat aktuell die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse im Hinblick auf Kraftsport von gesunden Personen zusammenfassend analysiert. Die Ausübung von Kraftsport in 1-2 Sitzungen oder über 60-150 Minuten pro Woche war mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen von rund 20%-25% und einem geringeren Risiko der Sterblichkeit von 20-25% verbunden. Daneben fand sich ein rund 30% geringeres Risiko für die Entwicklung eines Diabetes und eine 15-20% geringere Sterblichkeit an Tumor-Erkrankungen.

 

Vorsicht bei Mehr-Belastungen

Kraftsport über mehr als 2,5 Stunden pro Woche war nicht mit weiteren Vorteilen verbunden (außer einer weiteren Abnahme von Diabetes mellitus), sondern zeigte sogar tendenziell schlechtere Ergebnisse. Kraftsport sollte nach Meinung der Autoren vorzugsweise ergänzend zu Ausdauer-Sport durchgeführt werden. 

  • Giovannucci EL. J Intern Med. 2021 Jun 13. doi: 10.1111/joim.13344. Online ahead of print.

Kommentar: Natürlich müssen für Patienten mit Vorerkrankungen oder bestehenden Einschränkungen die Empfehlungen individuell angepasst werden.


 

Frühe Nachtruhe gegen Übergewicht

 

Bei rund 136.000 Teilnehmern aus 26 Ländern wurde der Zusammenhang zwischen Übergewicht (Body Mass Index, BMI > 30 kg/qm) und Schlafgewohnheiten untersucht. Bei denen, die sich früh (vor 22 Uhr) zur Nachtruhe begaben, war der Anteil an Übergewichtigen 20% geringer als bei Personen mit späterem Schlafbeginn (nach 24 Uhr). Unter den "Nachteulen" (Beginn der Nachtruhe nach 2 Uhr) waren sogar 35% mehr Übergewichtige vertreten. Ähnliche Befunde ergaben sich auch für die sog. abdominale Adipositas. Auch eine kurze Nachtruhe von weniger als 6 Stunden ging mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht einher. 

  • Lap AT. JAMA Netw Open. 2021 Jun 1;4(6):e2113775. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.13775.

Kommentar: Frühe Schlaf-Zeiten sind möglicherweise der biologischen Uhr und Stoffwechsel-Vorgängen besser angepasst. Denkbar wäre aber auch, dass späte Schlaf-Zeiten häufiger mit anderen ungünstigen Faktoren wie Bewegungsmangel vergesellschaftet waren. Auch das  Schlafverhalten kann ggf. einen Beitrag zur Bekämpfung von Übergewicht leisten. 


 

Radeln bei Diabetes hilfreich

 

Diabetiker haben ebenso wie Patienten mit bestehenden atherosklerotischen Gefäß-Krankheiten eine schlechtere Prognose. In einer aktuellen Untersuchung aus Dänemark wurden mehr als 7400 Diabetiker im Abstand von 5 Jahren zu ihren Gewohnheiten befragt. Diejenigen, die im genannten Zeitraum regelmäßig Rad fuhren, hatten eine deutlich bessere Prognose. In Abhängigkeit von der durchschnittlichen wöchentlichen Dauer ergab sich eine mindestens 22% geringere Sterblichkeit im Vergleich zu Personen, die nicht radelten. 

  • Ried-Larsen M. JAMA Intern Med. Published online July 19, 2021. doi:10.1001/jamainternmed.2021.3836

Kommentar: Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität gerade für Patienten mit Risikofaktoren wie Diabetes mellitus. Es bleibt einschränkend zu bedenken, dass es sich nicht um eine randomisierte Studie handelt. Andere nicht erfasste Faktoren könnten daher das Ergebnis beeinflusst haben.  


 

HbA1c verbessert Früherkennung der Atherosklerose

 

HbA1c  steht als Abkürzung für das sog. verzuckerte Hämoglobin. Hierbei binden sich Zucker-Moleküle an einen Teil des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen, der für den Sauerstoff-Transport zuständig ist).

 

HbA1c als Blutzucker-"Gedächtnis"

Die Höhe des HbA1c kennzeichnet den Anteil des Hämoglobins, der an Zucker-Moleküle gebunden ist und gilt als Maß für die Höhe des Blutzucker-Spiegels in den zurückliegenden 8-12 Wochen. Der Wert wird daher auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzucker-"Gedächtnis" bezeichnet. Die langfristige Einstellung des Blutzuckers bei Diabetikern wird mit diesem Wert überprüft. Ab einem bestimmten Schwellenwert von etwa 6,5 % kann die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ2 gestellt werden.

 

HbA1c und Atherosklerose 

Forscher in den USA haben jetzt den HbA1c-Wert bei rund 4000 Personen ohne Diabetes, mit also noch normalen HbA1c-Werten, und ohne bekannte Gefäßschäden gemessen. Zusätzlich wurden die Arterien mit Hilfe von Ultraschall-Untersuchungen und Computer-Tomographie (CT) genauer untersucht. Erstaunlicherweise zeigte sich, dass auch schon bei normalen HbA1c-Werten eine annähernd lineare Beziehung zu Gefäßverkalkungen bestand. Je höher der Wert war, umso stärker waren die Gefäße von Atherosklerose betroffen.

  • Rossello X et al. J Am Coll Cardiol. 2021 Jun, 77 (22) 2777–2791

Kommentar: Während für den Blutdruck und den Cholesterin-Spiegel mit steigenden Werten auch eine kontinuierliche Zunahme des Risikos für Gefäßschäden bekannt ist, wird der Blutzucker nur bei Vorliegen eines Diabetes in der Risiko-Abschätzung berücksichtigt. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass es eine kontinuierliche Zunahme von Gefäß-Verkalkungen auch mit steigenden HbA1c-Werten gibt, auch wenn diese noch im Normalbereich liegen. Zukünftig kann die Messung des HbA1c  dabei helfen, bisher beschwerdefreie Patienten mit schon bestehender Atherosklerose rechtzeitig zu erkennen. Hieraus könnten sich neue Ansätze zur Prävention der Atherosklerose bereits in frühen Stadien ergeben. 


 

Nach Herzinfarkt Stress vermeiden

 

US-Forscher untersuchten den Einfluss von Stress auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen nach einem Herzinfarkt. Bei 283 Patienten, die einen Herzinfarkt durchgemacht hatten, wurden verschiedene Facetten von Stress wie Angst, Ärger, Depression und subjektives Stress-Empfinden in einem Score zusammengefasst. Die Patienten wurden im Verlauf über 5 Jahre begleitet. Patienten mit hoher Stress-Belastung (oberes Drittel des Scores) erlitten etwa doppelt so viel Herz-Kreislauf-Komplikationen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall u.a.) wie Patienten mit geringem Stress-level (unteres Drittel des Scores). Auch konnten die Forscher ein höheres Niveau an Entzündungs-Werten im Blut mit Stress in Verbindung bringen. Es wird also vermutet, dass Stress über die Förderung von Entzündungs-Prozessen zum Auftreten kardiovaskulärer Komplikationen beiträgt.

  • Garcia M, ACC, May 2021
  • Busko M. Medscape Medical News- May 14, 2021. 

Kommentar: HERZ-NEWS berichtete bereits über den ungünstigen Einfluss einer hohen Arbeits-Belastung nach Herzinfarkt (s.u.). Auch die neuen Ergebnisse sprechen dafür, den Stellenwert von Stress in der Nachsorge nach einem Infarkt angemessen zu berücksichtigen. Entspannungs-Übungen oder Meditation könnten sich als hilfreich erweisen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass Patienten mit hohem Stress-Level die Maßnahmen und medikamentösen Therapien nach einem Herzinfarkt nicht im erforderlichen Ausmaß wahrnehmen und deswegen ein höheres Risiko aufweisen.  


 

Gut fürs Herz, gut fürs Gehirn

 

Kalifornische Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen kardiovaskulärem Risiko-Profil im jungen Erwachsenen-Alter (20-30 Jahre) und der kognitiven Leistungs-Fähigkeit im höheren Alter. Dazu wurden bei rund 15.000 Teilnehmern aus mehreren Studien Daten zu den klassischen Risiko-Faktoren wie hohem Blutdruck (systolisch), erhöhtem Blutzucker, Cholesterin und Übergewicht ermittelt. Dabei waren besonders Übergewicht, erhöhter Blutzucker und erhöhter Blutdruck in jungen Jahren mit einer schlechteren Hirnleistung im Alter verbunden. 

  • Yaffe K et al. Neurology. March 17, 2021, DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000011747 

Kommentar: Die Daten legen nahe, die bekannten Risikofaktoren so früh wie möglich im Rahmen präventiver Maßnahmen zu berücksichtigen. Hiervon profitiert nicht nur das Herz, sondern auch die kognitive Leistungs-Fähigkeit im Alter. 


 

Weniger Überstunden nach Herzinfarkt!

 

In einer aktuellen Studie wurden mehr als 960 Patienten, die einen ersten Herzinfarkt erlitten hatten und nach dem Infarkt wieder Ihrer beruflichen Tätigkeit nachgingen, über rund 6 Jahre begleitet. Je länger die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit nach dem Herzinfarkt war, umso größer war das Risiko für ein erneutes koronares Ereignis (meist Herzinfarkt). Verglichen mit einer Wochen-Arbeitszeit von 40 Stunden war das Risiko bei einer Wochen-Arbeitszeit von mehr als 55 Stunden um 67% erhöht. Bei noch längeren Arbeitszeiten nahm auch das Risiko noch weiter zu. 

  • Trudel X et al. J Am Coll Cardiol. 2021 Apr, 77 (13) 1616–1625

Kommentar: Diese Ergebnisse belegen ein überraschend großes Risiko durch hohe Arbeitsbelastung. Das Risiko entspricht in etwa dem des Weiter-Rauchens nach einem Herzinfarkt. Daher sollte auch die Arbeits-Belastung als wesentlicher Parameter bei der Rehabilitation und Prävention nach einem Infarkt berücksichtigt werden. 


 

Früher herzkrank durch Drogen

 

Bei mehr als 1,2 Millionen Teilnehmern wurde in den USA der Zusammenhang zwischen Drogen-Konsum und vorzeitigem Auftreten einer Herz-Kreislauf-Erkrankung untersucht. Als vorzeitig wurde ein erstmaliges Auftreten vor dem 55. Lebensjahr bei Männern und vor dem 65. Lebensjahr bei Frauen definiert. In Abhängigkeit von der konsumierten Droge waren die Risiken für eine vorzeitige Herz-Kreislauf-Erkrankung wie folgt erhöht:

  • Alkohol   1,5-fach
  • Nikotin    2,0-fach
  • Kokain     2,4-fach
  • Amphetamin 2,7-fach
  • Marihuana     2,7-fach

Bei Konsum mehrerer Drogen wurde ein nahezu 9-fach erhöhtes Risiko beobachtet. Nicht selten waren Erkrankungen schon vor dem 40. Lebensjahr aufgetreten.  

  • Mahtta D. Heart. 2021 Feb 15:heartjnl-2020-318119. doi: 10.1136/heartjnl-2020-318119. Online ahead of print.PMID: 33589427

Kommentar: Neben anderen guten Gründen sprechen auch die schädlichen Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem gegen Drogen-Konsum.


 

Stabile Langzeit-Werte bei Diabetes anstreben

 

Die Beurteilung der längerfristigen Einstellung des Blutzuckers (BZ) bei Diabetes mellitus orientiert sich bisher meistens am sog. HbA1c -Wert. Dieser gilt als Maß für die durchschnittliche Höhe des BZ-Wertes der vorhergehenden 2-3 Monate.  

In der vorliegenden Untersuchung wurden nahezu 30.000 Diabetiker (Typ 2) rund vier Jahre lang begleitet. Je stärker die Schwankungs-Breite der HbA1c-Messungen ausfiel, umso höher war das Risiko für das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen, aber auch das Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien).

  • Shen J et al.J Diabetes, Obesity and Metabolism. January 2021.Volume 23, Issue 1.Pages 125-135

Kommentar: Bereits in einem früheren Beitrag weiter unten ("Zeit im Zielbereich" bestimmt Prognose bei Diabetes") wurde auf die Bedeutung einer stabilen Einstellung der Blutzucker-Werte hingewiesen. In der aktuellen Untersuchung bestätigt dich dies auch für die Messung des Langzeit-Parameters HbA1c. 


 

Gewicht-Abnahme durch Diabetes-Mittel 

 

Das Diabetes-Mittel Semaglutid hat sich bei Patienten mit Diabetes mellitus bewährt. In früheren Studien war auch eine Gewichtabnahme unter Semaglutid-Behandlung aufgefallen. Dem gingen die Forscher in der aktuellen Studie nach. Es wurde fast 2000 Patienten mit Übergewicht (BMI > 30 kg/qm) ausgewählt. Ein Teil der Patienten erhielt Semaglutid, ein anderer Teil nur ein Placebo-Präparat. Bei allen Patienten erfolgten regelmäßige Ernährungs-Beratungen. Semaglutid wurde in einer Dosierung von 2,4mg einmal wöchentlich als subcutane Injektion verabreicht. Nach mehr als einem Jahr (68 Wochen) hatten Patienten  mit Semaglutid-Behandlung 15,3 kg abgenommen, im Vergleich zu 2,6 kg in der Placebo-Gruppe. Neben der Gewichts-Abnahme und der zu erwartenden Besserung des Zucker-Stoffwechsels zeichnete sich auch eine Blutdruck-Abnahme und Besserung des Fettstoffwechsels ab. Als Nebenwirkungen traten bei Semaglutid-Behandlung Übelkeit und Durchfall auf. Die Beschwerden besserten sich meist im Verlauf. Bei 4,5% der Patienten wurde die Behandlung aber wegen Nebenwirkungen abgebrochen, dagegen nur bei 0,8% der Patienten in der Placebo-Gruppe. 

  • Wilding J et al. NEJM. February 10, 2021. DOI: 10.1056/NEJMoa2032183 

Kommentar: Semaglutid ist als Ozempic® seit 2018 zur Behandlung des Diabetes mellitus zugelassen. Das als Diabetes-Mittel etablierte Medikament kann offensichtlich auch andere kardiovaskuläre Risiko-Faktoren wie Übergewicht, Fettstoffwechsel und Blutdruck günstig beeinflussen. Zwischenzeitlich ist zumindest in den USA auch eine orale Form des Präparates im Handel. Die tägliche orale Einnahme könnte die Therapie praktikabler gestalten. Einige Kritiker verweisen auf die doch häufigen Magen-Darm-Nebenwirkungen und die in früheren Studien gelegentlich beobachteten Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen. Liraglutid, ein anderes Präparat aus der Reihe der sog. GLP1-Rezeptor-Agonisten ist unter dem Handelsnamen Victoza® zur Behandlung des Diabetes mellitus und unter dem Namen Saxenda® zur Behandlung von Übergewicht bereits zugelassen, muss aber täglich injiziert werden. Interessant wäre zukünftig auch ein Vergleich mit den sog. SGLT2-Hemmern, einer anderen gut wirksamen Gruppe von Antidiabetika, die sich ebenfalls durch eine Abnahme des Körpergewichts auszeichnen.


 

Fitness reicht nicht bei Übergewicht

 

Kann körperliche Aktivität die kardiovaskulären Risken von Übergewicht ausgleichen? Dieser Frage ging eine aktuelle Analyse mit mehr als 500.000 Teilnehmern nach. Dabei hatten körperlich inaktive Übergewichtige (Body-mass-index bzw. BMI > 30kg/qm) im Vergleich zu Normalgewichtigen (BMI < 25) ein rund sechsmal höheres Risiko für Diabetes oder Bluthochdruck. Körperlich/sportlich aktive Übergewichtige hatten immer noch ein mehr als viermal so hohes Risiko wie Normalgewichtige.

  • Valenzuela P et al. European Journal of Preventive Cardiology, doi:10.1093/eurjpc/zwaa151zwaa151

Kommentar: Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes sind neben anderen verantwortlich für die Atherosklerose und deren Folgeschäden wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Fitness allein reicht nicht, um das Risiko bei fortbestehendem Übergewicht entscheidend zu verringern. Das Konzept des Sumo-Ringers dürfte sich im Hinblick auf kardiovaskuläre Risikofaktoren nicht bewähren. Dennoch stellt regelmäßige körperliche/sportliche Aktivität eine wichtige Grundlage der kardiovaskulären Prävention dar und kann eine angestrebte Reduktion des Körpergewichts nachhaltig unterstützen. 


 

Herz-Kreislauf-Schutz durch braunes Fett?

 

Der bei Säuglingen regelhaft nachweisbare Anteil an sog. braunem Fettgewebe bildet sich im Erwachsenenalter weitgehend zurück. Reste können insbesondere im Nacken-Schulterbereich, unter den Achseln und um die großen Gefäße (Mediastinum) und die Nieren herum erhalten bleiben. Im Gegensatz zu weißem Fettgewebe, das im Wesentlichen als Energiespeicher dient, werden die Kalorien des braunen Fett-Gewebes in Wärme umgewandelt (Thermogenese). Dieser Prozess wird insbesondere bei kalter Umgebungs-Temperatur in Gang gesetzt. Bisher liegen nur wenige Studien zur Wirkung von braunem Fettgewebe bei Menschen vor. Aktuell konnte bei rund 10% von mehr als 50.000 Patienten mit einer speziellen Form der Computer-Tomographie (PET-CT) braunes Fettgewebe nachgewiesen werden. Diese Patienten wiesen bessere Stoffwechselwerte für Blutzucker und Fettwerte auf. Es konnte erstmals gezeigt werden, dass Sie nur halb so oft an Diabetes litten, um ein Drittel weniger Verkalkungen der Herzarterien hatten, und seltener an hohem Blutdruck oder Herzschwäche litten. Besonders Übergewichtige wiesen bei Nachweis von braunem Fett nur noch ein Risiko wie Normalgewichtige auf. Braunes Fett scheint vor den Folgen von zu viel weißem Fett zu schützen.

  • Becher T et al. Nature Medcine.https://doi.org/10.1038/s41591-020-1126-7

Kommentar: Durch die Umwandlung von Energie in Wärme erklärt sich die Abnahme des Blutzuckers und damit die geringere Tendenz zur Ausbildung eines Diabetes. Der Mechanismus, der der Blutdrucksenkung zugrunde liegt, ist nicht geklärt. Auch bleibt unklar, warum sich bei  einem Teil der Erwachsenen noch braunes Fettgewebe nachweisen lässt. Auch auf die Frage, wie man sein braunes Fett vermehren kann, haben die Forscher noch keine Antwort. Diese neuen Forschungs-Ergebnisse können aber interessante Perspektiven zur Vorbeugung und Behandlung von Patienten mit Übergewicht, aber auch Diabetes, Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen. eröffnen. Einschränkend bleibt anzumerken, dass bisher nur eine Assoziation zwischen den genannten Veränderungen und dem Nachweis von braunem Fettgewebe belegt ist.   


 

Universaler Grippe-Impfstoff in Sicht 

 

Durch die jährliche Grippe (Influenza) werden insbesondere Risiko-Gruppen wie z.B. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefährdet. Gelegentlich werden bei unvorhersehbaren schweren Pandemien breite Bevölkerungs-Schichten bedroht, wie zuletzt 1918 bei der Spanischen Grippe.

Eine Grippeschutz-Impfung wird daher insbesondere den Risiko-Gruppen empfohlen.

 

Rasche Wandelbarkeit der Viren

Leider sind Grippeviren durch Mutationen so rasch wandelbar, dass die Impfstoffe jedes Jahr neu zusammengestellt und die Impfungen jährlich mit den neu angepassten Virusstämmen wiederholt werden müssen. Die Impfstoffe bestehen aus abgeschwächten oder inaktivierten Virus-Bestandteilen. Von besonderer Bedeutung sind dabei bestimmte Eiweiße auf der Virus-Oberfläche, nämlich Hämagglutinin und Neuraminidase. Sie ragen wie Blumen mit Kopf und Stiel an der Oberfläche hervor. Die bisherigen Impfstoffe zielten darauf, den Organismus zur Bildung von Antikörpern gegen den Kopfteil des Hämagglutinins zu befähigen. Gerade Teile des Kopfes sind aber besonders von raschen Veränderungen betroffen.

 

Vielversprechende Pilot-Studie

Forschern ist jetzt in einer kleinen Pilotstudie gelungen, mit einem neuartigen Impfstoff, eine breite und bis zu 18 Monate anhaltende Immun-Antwort gegen den stabileren Stiel des Hämagglutinins zu erzeugen. Dies lässt hoffen, dass in naher Zukunft ein Universal-Impfstoff gegen Grippe-Viren bereitstehen könnte, der die jährlich wiederholten Impfungen überflüssig macht.

  •  Nachbagauer R et al. Nature Medicine (2020). DOI: 10.1038/s41591-020-1118-7 

Kommentar: Die vielversprechenden Ergebnisse können bisher jedoch nur nachweisen, dass Antikörper gebildet werden. Ob wirklich ein Schutz vor Erkrankung besteht, muss nun in größeren klinischen Studien nachgewiesen werden. In Tierversuchen konnte das schon belegt werden.  Im Erfolgsfall wäre dies ein großer medizinischer Fortschritt, der Patienten und Ärzte aber auch das Gesundheitssystem insgesamt erheblich entlasten könnte.


 

Ähnliches Diabetes-Risiko von Hunden und Besitzern

 

Einer aktuellen Untersuchung aus Schweden zufolge fand sich ein um 32% erhöhtes Diabetes-Risiko bei Besitzern von Hunden, die an Diabetes litten. Umgekehrt fand sich ein um 28% erhöhtes Risiko, das einer näheren statistischen Betrachtung aber nicht standhielt. Die Forscher hatten hierzu Daten von mehr als 210.000 Paaren von Hunden und ihren Besitzern ausgewertet. Interessanterweise konnte ein solcher Zusammenhang bei mehr als125.000 Paaren von Katzen und ihren Besitzern nicht hergestellt werden. 

  • Delicano RA, et al.  BMJ 2020; DOI: 10.1136/bmj.m4337.

Kommentar: Ähnlichkeiten hinsichtlich der Ernährungs-Gewohnheiten und/oder der körperlichen Aktivität könnten das geteilte Risiko erklären. 


 

Fitness gegen Depression und Angst

 

Die Bedeutung körperlicher Aktivität für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist gesichert. Bei mehr als 150.000 Personen wurde aktuell der Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und dem Risiko für mentale Erkrankungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen untersucht. Zu Beginn der Studie erfolgte ein Belastungs-EKG zur Beurteilung der Fitness des Herz-Kreislauf-Systems sowie eine Handkraft-Messung als Maß der allgemeinen Muskelkraft. Die Teilnehmer wurden über 7 Jahre begleitet und in Bezug auf die Entwicklung von Depressionen oder Angsterkrankungen untersucht. Bei initial geringer kombinierter Fitness war das Risiko für mentale Erkrankungen im Vergleich zu Personen mit hoher Fitness um 80% erhöht. Bei mittlerer Fitness war das Risiko im Vergleich zu Teilnehmern mit hoher Fitness nur um 30% erhöht.

  •  Kandola A et al. BMC Med. 2020 Nov 11;18(1):303. doi: 10.1186/s12916-020-01782-9. 

Kommentar: Die Untersuchung zeichnet sich nicht nur durch die sehr große Zahl der Teilnehmer aus. Anders als in vielen früheren Studien wurde der Zusammenhang zwischen physischer Fitness und psychischen Veränderungen prospektiv und nicht nur rückblickend untersucht. Auch konnte annähernd eine "Dosis-Wirkungs-Beziehung" nachgewiesen werden. Dennoch ist ein kausaler Zusammenhang nicht abschließend gesichert.  


 

Neues Medikament gegen Nierenversagen

 

Das neue Medikament Finerenon, ein sog. Mineralcorticoid-Rezeptor-Antagonist (MRA), wurde im Vergleich zu Placebo (Schein-Medikament) bei über 5700 Patienten mit Nierenschwäche und Diabetes mellitus Typ 2 getestet (FIDELIO-Sudie). Im Verlauf von 2,6 Jahren waren bei Finerenon-Behandlung 18% weniger Fälle mit Nierenversagen aufgetreten. Auch ereigneten sich weniger kardiovaskuläre Komplikationen (z.B. Herzinfarkt). Als Nebenwirkung konnte häufiger ein erhöhter Kaliumspiegel beobachtet werden. 

  • Bakris G et al. NEJM, October 23, 2020. DOI: 10.1056/NEJMoa2025845 

Kommentar: Die Ergebnisse sind besonders beeindruckend, da die Patienten mit verfügbaren Medikamenten bereits optimal vorbehandelt waren. Für Diabetiker mit schon bestehender Nierenschwäche eröffnet sich damit eine vielversprechende neue Therapie-Option. Sobald eine Marktzulassung erfolgt und das Präparat im Handel verfügbar ist, wird HERZ-NEWS berichten. In einer weiteren großen Studie (FIGARO) soll die Wirkung von Finerenon zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall u.a.) näher untersucht werden. 


 

E-Zigaretten mit Nikotin zur Raucher-Entwöhnung

 

Der Stellenwert von E-Zigaretten zur Raucher-Entwöhnung wird weiterhin kontrovers diskutiert. In einer aktuellen zusammenfassenden Übersicht bisheriger Ergebnisse von insgesamt 50 Studien kommen die Autoren zu folgender Schlussfolgerung: E-Zigaretten mit Nikotin eignen sich besser als solche ohne Nikotin oder als andere Maßnahmen wie Nikotinersatz in Form von Kaugummis oder Pflastern, um Raucher dauerhaft vom Konsum konventioneller Zigaretten zu entwöhnen. 

  • Hartmann-Boyce J et al. Cochrane Systematic Review - Intervention Version published: 14 October 2020 see what's newhttps://doi.org/10.1002/14651858.CD010216.pub4

Kommentar: E-Zigaretten mit Nikotin-Liquids scheinen die Chancen für einen Ausstieg vom Zigaretten-Rauchen zu verbessern. Im Vergleich zum konventionellen Zigaretten-Konsum wird der Wechsel auf E-Zigaretten von vielen Experten zwar als das "kleinere Übel" angesehen. Über Langzeitfolgen ist dennoch wenig bekannt, sodass diesbezüglich weitere Untersuchungen erforderlich sind.  


Magnetfeld gegen Diabetes - Bei Mäusen wirkts 

 

Einen faszinierenden Blick in eine mögliche Zukunft der Diabetes-Behandlung erlauben aktuelle Forschungs-Ergebnisse. Zunächst per Zufall war Forschern aufgefallen, dass sich die Blutzucker-Werte bei Diabetes-kranken Mäusen normalisierten, wenn sie einem elektro-magnetischen Feld ausgesetzt waren. In weiteren Versuchen bestätigte sich, dass mit statischen elektro-magnetischen Feldern, etwa 100mal stärker als die natürlichen Feldstärken der Erde, die Blutzuckerspiegel beeinflusst werden konnten. Nach 3 Tagen Exposition im Schlaf zeigte sich ein besseres Ansprechen auf Insulin, die sog. Insulin-Resistenz hatte sich zurückgebildet. Das verminderte Ansprechen auf Insulin (Insulin-Resistenz) gilt als einer der wesentlichen Faktoren für die Entstehung des Diabetes mellitus Typ 2. Weitere Untersuchungen zeigten, dass der Effekt von der Anwesenheit bestimmter Oxidantien wie Superoxid in der Leber abhing. 

  • Carter CS et al. Cell Metabolism, VOLUME 32, ISSUE 4, P561-574.E7, OCTOBER 06, 2020

Kommentar: Die Forscher planen zunächst weitere Untersuchungen an Zellkulturen von Säugetierzellen. Eine Perspektive für eine mögliche Anwendung beim Menschen dürfte, wenn überhaupt, noch in weiter Ferne liegen. 


 

"Zeit im Zielbereich" bestimmt Prognose bei Diabetes

 

Die Beurteilung der längerfristigen Einstellung des Blutzuckers (BZ) bei Diabetes mellitus orientiert sich bisher meistens am sog. HbA1c -Wert. Dieser gilt als Maß für die durchschnittliche Höhe des BZ-Wertes der vorhergehenden 2-3 Monate.  Die Schwankungsbreite der BZ-Werte kann der HbA1c aber nicht zuverlässig erfassen. Trotz großer Schwankungen des Blutzuckers kann der durchschnittliche BZ-Wert, bzw. HbA1c, eine gute Einstellung vortäuschen.

 

Neuer Parameter: TIR

Insbesondere bei häufigen Messungen des Blutzuckers wie mit den zunehmend verbreiteten Methoden des kontinuierlichen Glucose-Monitorings (CGM) kann die Qualität der Blutzucker-Einstellung genauer beurteilt werden. Hierzu wird ermittelt, in wieviel Prozent der Zeit die gemessenen Glucose-Werte in einem bestimmten Zielbereich liegen (Time in Range - TIR). Nach einer Experten-Übereinkunft sollte der Blutzucker in mehr als 70% der Zeit in einem Zielbereich zwischen 70 und 180mg/dl liegen. Für besondere Patienten-Gruppen (z.B. Jugendliche, ältere Patienten, Schwangere etc.) können abweichende Empfehlungen gelten.

 

TIR bestimmt Prognose

In einer aktuellen Studie wurden mehr als 5700 Patienten mit Diabetes mellitus Typ2 über 2 Jahre begleitet. Es zeigte sich, dass die Rate an kardiovaskulären Komplikationen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) umso geringer war, je länger die BZ-Werte im Zielbereich lagen. War dies in mehr als 70% der Zeit der Fall (TIR > 70%), so lag die Rate an kardiovaskulären Komplikationen um 31 % niedriger als bei Patienten, bei denen eine gute Einstellung nur in weniger als 50% der Zeit gelang (TIR < 50%).

  • Bergenstal R et al. EASD 2020, abstract 159.
  • Zoler M, MDedge, Cardiology News 28.9.2020

Kommentar: Die Ergebnisse zeigen, dass die Zeit im Zielbereich (TIR) nicht nur genauer als der HbA1c die Blutzucker-Einstellung widerspiegelt, sondern auch von Bedeutung für die Prognose der Patienten ist. Es ist zu erwarten, dass die Zeit im Zielbereich (TIR) sich zunehmend als Parameter der Glucose-Einstellung neben dem HbA1c etablieren wird.  


 

Neues Insulin nur einmal pro Woche

 

Im Rahmen einer sog. Phase-II-Studie war die einmal wöchentliche Gabe eines neuen Insulin-Präparates mit sehr langer Wirkdauer genauso wirksam und sicher wie die tägliche Gabe eines üblichen Langzeit-Insulins. Bei 247 Patienten mit Typ 2 Diabetes war die einmal wöchentliche Gabe von Insulin icodec mit der einmal täglichen Gabe von Insulin glargin (Lantus®) verglichen worden. Über einen Zeitraum von 6 Monaten fand sich kein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der Qualität der Diabetes-Einstellung. Auch Nebenwirkungen wie Hypoglykämien (Unterzuckerungen) waren in beiden Gruppen vergleichbar.

  • Rosenstock J. et al. N Engl J Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2022474

Kommentar: Eine nur einmal wöchentliche Injektion kann zu einer besseren Akzeptanz der Therapie bei betroffenen Patienten beitragen. Vor einer möglichen Zulassung müssen aber zunächst die Ergebnisse umfangreicher Phase-III-Studien abgewartet werden. 


 

Aktuelle Empfehlungen zur Grippe-Impfung 2020/2021

 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt auch in diesem Jahr die Grippe-Schutzimpfung schwerpunktmäßig bei den bekannten Risiko-Gruppen (s.u.). Die bisherigen Impfquoten bei Risiko-Patienten seien bisher unzureichend und sollten verbessert werden. Für Personen, die nicht zu den Risiko-Gruppen gehören, sei bisher auch bei einem Zusammentreffen mit einer Corona-Infektion kein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe festgestellt worden. Corona-bedingte Schutzmaßnahmen und Kontakt-Beschränkungen hätten auch zu einer geringeren Zahl gemeldeter Influenza-Fälle geführt. Eine vorzeitige Impfung sei auch in diesem Jahr nicht sinnvoll. Ggf. könne aber noch eine Nach-Impfung bei Risiko-Personen ohne Impfung im vergangenen Jahr erwogen werden.  

  • Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) – Bestätigung der aktuellen Empfehlungen zur saisonalen Influenzaimpfung für die Influenzasaison 2020/21 in Anbetracht der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie Epid Bull 2020;32/33:28–30 | DOI 10.25646/7040

Kommentar: Zu den Risiko-Gruppen und anderen  Informationen im Zusammenhang mit der Grippe-Schutzimpfung siehe früheren Herz-News-Beitrag "Aktuelle Informationen zur Grippe-Impfung 2019/2020" im Abschnitt "Empfehlungen".


 

Nierenschutz durch Diabetes-Medikament

 

Vor kurzem berichtete Herz-News über einen Durchbruch bei der Behandlung von Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (siehe früherer Beitrag weiter unten). Genaue Daten wurden jetzt auf dem europäischen Kardiologen-Kongress präsentiert. 

Rund 4300 Patienten mit reduzierter Nierenfunktion waren randomisiert (zufallsmäßig, wie beim Werfen einer Münze) entweder mit dem Diabetes-Medikament Dapagliflozin (Forxiga®)10 mg täglich oder einem Schein-Medikament (Placebo) über 2,4 Jahre behandelt worden.   

Bei der mit Dapagliflozin behandelten Gruppe waren im Verlauf 39% weniger Verschlechterungen der Nierenfunktion oder Sterbefälle aufgrund von Nieren-Schwäche oder aus kardiovaskulärer Ursache aufgetreten. Die Gesamt-Sterblichkeit war 31% geringer. Das günstige Ergebnis konnte sowohl bei Patienten mit, als auch bei Patienten ohne Diabetes (1/3. der Patienten) nachgewiesen werden.

  • Heerspink H et al, virtual congress, European Society of Cardiology (ESC), 30.8.2020  
  • Zoler M, Medscape 30.8.2020

Kommentar:  Dapagliflozin (Forxiga®) gehört wie Empagliflozin (Jardiance®) zur Medikamenten-Gruppe der sog. SGLT2-Hemmer. Primär hatten sich diese Medikamente bei Patienten mit Diabetes mellitus bewährt. Neuere Studien zeigen, dass Patienten mit Herzschwäche ebenso von den Substanzen profitieren. Die aktuelle Studie belegt den großen Nutzen auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Bisher bestanden nur wenige medikamentöse Möglichkeiten, um das Fortschreiten einer Nierenschwäche zu verhindern oder zu verzögern.  Es besteht die Hoffnung, auf diesem Wege viele Patienten vor dem Schicksal einer Dialyse-Behandlung oder Transplantation bewahren zu können. Insgesamt zeichnen sich die SGLT2-Hemmer damit durch ein mögliches breites Indikations-Spektrum aus. 


 

Risiken für Alzheimer-Erkrankung und Vorbeugung

 

In einer zusammenfassenden Analyse von fast 400 Studien wurden die wichtigsten Risiko-Faktoren für die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung ermittelt. Von den Autoren werden auch jeweils kurze Empfehlungen zur Vorbeugung gegeben. 

 

Risiko-Faktoren

Folgende Faktoren wurden mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung in Verbindung gebracht: Diabetes mellitus, Hoher Blutdruck, Übergewicht, Rauchen, Geringe körperliche Aktivität, Körperschwäche/Gebrechlichkeit, Vorhofflimmern, Orthostatische Hypotonie, Schlaf-Mangel, Depression, Stress, Mangel an Bildung, Kopf-Verletzungen, Erkrankung der Hirngefäße, Gewicht-Abnahme im höheren Alter, Vitamin C-Mangel, erhöhtes Homocystein (Hyperhomocysteinämie). (Die hier gewählte Reihenfolge in der Aufzählung spiegelt nicht die relative Bedeutung der einzelnen Faktoren. Die Redaktion).  

 

Empfehlungen 

In erster Linie sollten die bekannten kardiovaskulären Risiko-Faktoren eingestellt werden. Generell wird zu einer entspannten Lebensweise und dem Abbau von Stress-Faktoren geraten. Bezüglich des Schlafmangels betonen die Autoren sowohl die Bedeutung einer ausreichenden Schlafdauer als auch den Stellenwert einer guten Schlaf-Qualität. Ein Vitamin C-Mangel sollte vermieden werden. Bei Nachweis eines erhöhten Homocysteins sollte auf ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen,  einschließlich Folsäure, geachtet werden. Eine gute Bildung in jungen Jahren und mentale Aktivität (z.B. durch Lesen, Schach) bis ins hohe Alter wird empfohlen.  

  • Yu J-T, et al. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2020;0:1–9. doi:10.1136/jnnp-2019-321913
  • Viessides M, Medscape, 27.8.2020 

Kommentar: Zahlreiche Faktoren betreffen das Herz-Kreislauf-System als Ganzes, sodass die Erhaltung eines gesunden Herz-Kreislauf-Systems auch als wesentliche Säule zur Vermeidung einer Alzheimer-Erkrankung gelten kann. Über das Risiko eines zu starken Blutdruck-Abfalls im Stehen (orthostatische Hypotonie) wurde erst kürzlich in Herz-News berichtet (siehe Abschnitt- Bluthochdruck-)


 

Übergewicht mit Empathie wie bei Krebs begegnen

 

Eine aktuelle Kanadische Leitlinie empfiehlt Ärzten, Patienten mit Übergewicht wie Krebs-Patienten gegenüberzutreten, nämlich mit Einfühlungsvermögen und Mitgefühl. Bisher werde Übergewicht zu einseitig lediglich als das Resultat schlechter persönlicher Entscheidungen der betroffenen Patienten wahrgenommen. Die Problematik sei aber viel komplexer. Der sehr einfache Ansatz vieler Ärzte „essen Sie weniger, bewegen sie sich mehr“ werde dieser komplexen Situation nicht gerecht. Eine empathische Grundhaltung der Ärzte erleichtert nach Meinung der Leitlinien-Autoren die weitere Ursachen-Abklärung. Danach können die vielfältigen Optionen von der Bewegungs- und Ernährungs-Beratung bis hin zu medikamentösen, psychologischen oder chirurgischen Maßnahmen erörtert werden.

  • Wharton S et al. CMAJ August 04, 2020 192 (31) E875-E891; DOI: https://doi.org/10.1503/cmaj.191707
  • Busko M, Medscape Medical News, 21.8.2020

Kommentar:  Außer Bewegungsmangel und Ernährungs-Fehlern sind vielfältige bisher nicht vollständig verstandene Faktoren und Interaktionen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Übergewicht involviert. Dazu zählen genetische und hormonelle Einflüsse, veränderte Hirn- und Stoffwechsel-Prozesse, aber auch psychische Problem-Felder wie Ängste und Depressionen und die Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiom). Der von den Leitlinien empfohlene vorurteilsfreie empathische Zugang sollte betroffenen Patienten den Umgang mit ihrer chronischen Erkrankung erleichtern. 


 

E-Zigaretten problematisch bei Corona-Infektion

 

Forscher der Stanford-Universität haben bei mehr als 4000 jungen US-Bürgern im Alter zwischen 13 und 24 Jahren den Zusammenhang zwischen Corona-Infektionen und vorhergehendem Konsum von E-Zigaretten untersucht. Sie fanden bei Patienten mit Corona-Infektion im Verhältnis fünfmal so häufig Konsumenten von E-Zigaretten wie in der Normal-Bevölkerung. 

  • Gaiha S et al. Journal of Adolescent Health xxx (2020) 1-5
  • Schmidt F, Deutsche Welle 11.8.2020

Kommentar: Die Ergebnisse legen nahe, dass "Dampfer" sich häufiger mit SARS-CoV-2 infizieren, beweisen es aber nicht. Möglich ist auch, dass Konsumenten von E-Zigaretten im Falle einer Infektion häufiger Symptome wie z.B. Fieber, Husten und Atemnot entwickeln, als Zeichen eines schwereren Verlaufs im Vergleich zu "Nicht-Dampfern", und sich infolgedessen häufiger in ärztliche Behandlung begeben. Dies könnte auf eine mögliche Vorschädigung der Lunge durch den Konsum von E-Zigaretten hinweisen. In der Untersuchung finden sich keine Angaben zum ausschließlich konventionellen Zigaretten-Konsum, da fast alle Raucher auch E-Zigaretten konsumierten.


 

OP bei Übergewicht kann Prognose verbessern 

 

Aus einer großen UK-Datenbank wurden 3700 Patienten ausgewählt, bei denen ein operativer Eingriff wegen Übergewicht (z.B. Magenband) durchgeführt wurde. Die Patienten wurden rückblickend mit 3700 Übergewichtigen verglichen, die in wesentlichen Merkmalen wie Alter, Geschlecht u.a. vergleichbar waren und bei denen keine entsprechende Operation erfolgt war. Der Body-Mass-Index in beiden Gruppen betrug anfangs ca. 40 kg/qm. Die beiden Gruppen wurden über rund 11 Jahre beobachtet. Während es in der Gruppe mit OP zu einer Abnahme des Körpergewichts kam, zeichnete sich bei den Teilnehmern ohne OP eine weitere Zunahme ab. Bei den Operierten traten im Verlauf wesentlich weniger kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall auf (37 im Vergleich zu 93 Fälle). Auch die Zahl der Todesfälle unterschied sich mit 45 gegenüber 182 deutlich.  

  • Moussa O et al. European Heart Journal, Volume 41, Issue 28, 21 July 2020, Pages 2660–2667, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaa069

Kommentar: Bisher hatten sich schon Verbesserungen von typischen kardiovaskulären Risiko-Faktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechsel infolge der sog. Adipositas-Chirurgie, auch Bariatrische Chirurgie genannt, nachweisen lassen. Ausweislich der aktuellen Daten können auch kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle durch die Eingriffe vermieden werden. Der Stellenwert der Adipositas-Chirurgie sollte weiter in prospektiv-randomisierten Studien geklärt werden. In ausgewählten Fällen, wenn konservative Maßnahmen nicht zu einer gewünschten Gewichtabnahme führen, sollten auch operative Verfahren in Erwägung gezogen werden.


 

Schon Vorstadien trüben Prognose bei Diabetes

 

Die Diagnose des Diabetes mellitus orientiert sich an bestimmten Grenzwerten. So gilt ein Nüchtern-Blutzucker < 100 mg/dl als normal,  während ein Nüchtern-Blutzucker > 125 mg/dl die Diagnose Diabetes mellitus rechtfertigt.  Im Bereich zwischen 100 und 125 mg/dl liegt eine Grauzone, in der von einem Prädiabetes gesprochen wird. Ähnliche Grauzonen bestehen auch für die Blutzucker-Messung nach Mahlzeiten oder nach einer standardisierten Glucose-Belastung (oraler Glucose-Toleranz-Test). In einer zusammenfassenden Analyse von 129 Studien mit mehr als 10 Millionen Teilnehmern zeigte sich im Verlauf von ca. 10 Jahren ein 13% höheres Sterbe-Risiko bei Patienten mit Prädiabetes im Vergleich zu Personen mit normalen Blutzucker-Werten. Bei Patienten mit bereits bekannter kardiovaskulärer Erkrankung  war das  Sterberisiko bei Vorliegen eines Prädiabetes sogar um 36%  im Verlauf von nur 3,2 Jahren erhöht. 

  • Cai X et al. BMJ, 2020 Jul 15;370:m2297. doi: 10.1136/bmj.m2297.
  • Busko M, Medscape,  21.7.20 

Kommentar: Es sollten rechtzeitig alle präventiven Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbildung eines Diabetes mellitus Typ 2 zu vermeiden und die ungünstige Prognose abzuwenden.  


 

Hirn-Funktion schon in mittleren Jahren gefährdet

 

Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Rauchen schädigen das Gefäßsystem und erhöhen bekanntermaßen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Im Hinblick auf das Risiko einer nachlassenden Hirn-Funktion hatten bisherige Untersuchungen auf Personen im höheren Lebensalter fokussiert. In einer aktuellen Untersuchung wurden jetzt 2675 Teilnehmer mit einem mittleren Alter von 50 Jahren über 5 Jahre beobachtet. Bei 5% der Teilnehmer konnte mit kognitiven Funktions-Tests im Verlauf eine beschleunigte Abnahme von Hirn-Leistungen festgestellt werden. Je mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren vorlagen, umso größer war das Risiko. Wenn mindestens 3 Faktoren vorlagen, war das Risiko 3-fach erhöht. Bei den einzelnen Faktoren waren besonders Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck mit einer deutlichen Risiko-Erhöhung verbunden. Erhöhtes Cholesterin oder Übergewicht hatten für sich allein keinen wesentlichen Einfluss.

  • Yaffe K et al. Neurology. Published Ahead of Print on July 15, 2020 as 10.1212/WNL.0000000000010078
  • Greb E, Medscape, 15.7.20

Kommentar: Die neuen Befunde bieten einen zusätzlichen Anreiz, auf eine gute Einstellung des Risiko-Profils schon im mittleren Alter zu achten. Auch in früheren Untersuchungen war die kognitive Funktion nicht vom Cholesterin-Spiegel beeinflusst. Wegen des bekannten Einflusses auf das kardiovaskuläre Risiko insgesamt, bleibt natürlich die Einstellung des Lipidprofils und des Körper-Gewichts weiterhin von Bedeutung.  


 

Bahnen Säure-Blocker Corona-Viren den Weg?

 

Sog. Protonenpumpen-Hemmer (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol u.a. werden häufig bei Patienten mit Sodbrennen oder Magen-Geschwüren eingesetzt, um die Säure-Produktion im Magen zu drosseln.  Auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung benötigen, nehmen oft PPI ein. Damit soll das Risiko für Magen-Blutungen vermindert werden.  Als Nebenwirkung der PPI-Behandlung ist das häufigere Auftreten von Darm-Infektionen bekannt. Die Magensäure bildet eben auch eine natürliche Schutzbarriere gegen eindringende Krankheitserreger.  

In einer Umfrage bei mehr als 53.000 US-Bürgern mit Magenbeschwerden, Sodbrennen etc. fand sich jetzt ein 2,2-fach höheres Risiko für eine Corona-Infektion bei einmal täglicher und ein 3,7-fach höheres Risiko bei zweimal täglicher Einnahme eines PPI. Bei Einnahme von sog. H2-Blockern (Histamin 2-Rezeptor-Antagonisten) bestand kein erhöhtes Risiko.

  • Almario C et al, Am J Gastroenterol. Published online July 7, 2020
  • Harrison L, Medscape Medical News , 9.7.20

Kommentar: Die sehr segensreichen und nebenwirkungsarmen PPI sollten keinesfalls vorschnell abgesetzt werden. Allerdings empfiehlt es sich, die Therapie-Indikation und besonders die Therapie-Dauer kritisch zu überprüfen. Nicht immer ist z.B. eine Dauertherapie erforderlich und in den meisten Fällen reicht auch die einmal tägliche Einnahme aus.  


 

Fortschritt bei Diabetes mit Nierenschwäche

 

Basierend auf einer aktuellen Pressemitteilung der Firma Bayer werden erste Ergebnisse der FIDELIO-Studie veröffentlicht. Bei mehr als 5700 Patienten mit Diabetes mellitus und Nierenschwäche wurde das Medikament Finerenon, ein sog. Mineralcorticoidrezeptor-Antagonist, im Vergleich zu einem Placebo-Präparat untersucht. Die Studie konnte offensichtlich den Nachweis erbringen, dass mit der neuen Substanz das Fortschreiten einer Nierenschwäche aufgehalten werden kann. Die Publikation der genauen Studien-Ergebnisse wird erwartet. 

  • Overbeck P, Kardiologie.org, 10.7.20 

 

Diabetes-Medikament bremst Abbau der Hirnleistung

 

Diabetes mellitus wird mit einem fast doppelt so hohen Risiko für nachlassende Hirnleistungen bis hin zur Demenz in Verbindung gebracht, wenn auch ein kausaler Zusammenhang nicht bewiesen ist. In der REWIND-Studie konnte bei Diabetikern (Typ 2) mit dem Diabetes-Medikament Dulaglutid (1 x wöchentliche Injektion von 1,5 mg subkutan) im Vergleich zu einem Placebo-Präparat eine deutliche Abnahme von kardiovaskulären Komplikationen, insbesondere von Schlaganfällen, erreicht werden. Aktuell wurden regelmäßige Teste der Hirnfunktion bei etwa 8800 Patienten dieser Studie ausgewertet. Im Verlauf von 5 Jahren ergab sich bei Dulaglutid-Behandlung ein 14% geringeres Risiko für Zeichen einer nachlassenden Hirnleistung.  

  • Cukierman-Yaffe T, et al. Lancet Neurol 2020; DOI: 10.1016/S1474-4422(20)30173-3.
  • Nackerdien Z, MedPage Today 5.7.20 

Kommentar: Inwieweit der günstige Effekt von Dulaglutid (Trulicity ®) auf die Reduktion von Schlaganfällen oder davon unabhängige neuroprotektive Effekte zurückgeführt werden kann, muss weiter geklärt werden. Für andere GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Liraglutid (Victoza ®) oder Semaglutid (Ozempic ®) liegen diesbezüglich bisher keine Untersuchungen vor.  


 

Bauchfett und Diäterfolg - Reine Kopfsache 

 

Fettdepots bilden sich bei verschiedenen Menschen oft bevorzugt an unterschiedlichen Stellen. Dabei gelten Fettablagerungen im Bauch-Bereich oder sog. viscerales Fett gesundheitlich als besonders bedenklich. Durch die Freisetzung bestimmter Botenstoffe werden Entzündungs-Prozesse gefördert. Langfristig steigt das Risiko für Tumor-Erkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dagegen werden Fett-Depots an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln nicht mit derart gravierenden Folgen in Verbindung gebracht. Forscher haben jetzt mit speziellen Verfahren der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) die Insulin-Sensitivität des Gehirns gemessen. Eine hohe Insulin-Empfindlichkeit von bestimmten Regionen des Gehirns (Hypothalamus) war mit einer geringen Menge an Bauchfett verbunden und umgekehrt. Darüber hinaus konnte  bei hoher Insulin-Sensitivität  durch Lebensstil-Änderung (Ernährung, Bewegung) eine auch langfristig anhaltende Gewichtabnahme und Abnahme der Fett-Depots am Bauch erreicht werden. Bei geringer Insulin-Empfindlichkeit (Insulin-Resistenz) war dagegen kaum ein Einfluss auf Gewicht und Bauchfett zu verzeichnen. Die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns hatte keinen Einfluss auf die übrigen Fettspeicher (Gesäß, Hüfte, Oberschenkel). 

  • Kullmann S.et al Nature communications 2020;11:1841
  • Hillienhof A. Deutsches Ärzteblatt; Jg117;Heft 25, 19.6.2020

Kommentar: Die Untersuchungen zeigen einmal mehr, dass bestimmte Ausprägungen von Übergewichtigkeit auch durch Faktoren bedingt sind, die der Einzelne nicht beeinflussen kann. Die Forschungs-Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven zur Vermeidung und Behandlung von Übergewicht und besonders nachteiligen Fettablagerungen.


 

Schützt Vitamin D bei Corona-Infektion ? 

 

Der Vitamin D-Spiegel,  genauer 25-Hydroxyvitamin D [25(OH)D] wurde bei 212 Patienten mit Corona-Infektion auf den Philippinen gemessen. Dabei fand sich ein Zusammenhang zwischen Höhe des Vitamin D-Spiegels und Schwere des Krankheits-Geschehens. Während Patienten mit kritischem Krankheitsbild initial niedrige Vitamin D-Werte aufwiesen, zeigten sich bei hohen Werten eher milde Verläufe. Patienten mit Vitamin D-Mangel hatten ein etwa 8-fach höheres Risiko für einen schweren Krankheits-Verlauf als Patienten mit normalem Vitamin D-Spiegel. 

  • Alipio M et al. (April 9, 2020). Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=3571484 or http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3571484 

Kommentar: Die Allgemein-Medizinerin und Präventions-Expertin Prof. JoAnn Manson von der Harvard Medical School weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Vitamin D entzündungs-hemmend wirkt und die Immunabwehr gegen Viren verstärken kann. Bereits in einer zusammen-fassenden  Analyse früherer Studien habe sich gezeigt, dass die Gabe von Vitamin D bei Personen mit Vitamin D-Mangel vor Atemwegsinfekten schützt (Martineau A. BMJ 2017;356:i6583). Die Harvard-Medizinerin rät zu ausreichend Bewegung an frischer Luft, um die Vitamin D Synthese in der Haut durch Sonnenexposition anzuregen, sowie zum Verzehr z.B. von fettreichem Fisch (Lachs, Hering, Makrele, Aal). Ggf. sei auch eine Substitution sinnvoll, normalerweise in einer Dosis von 600-800 IE täglich. Während der Corona-Pandemie seien aber auch höhere Dosierungen von 1000-2000 IE vertretbar. Letztlich müsse der Stellenwert von Vitamin D in diesem Kontext aber noch in randomisierten Studien weiter untersucht werden. 

  • JoAnn E. Manson. Does Vitamin D Protect Against COVID-19? - Medscape - May 11, 2020, redigiert

 

Nierenschutz im Focus von Diabetes-Medikamenten  

 

Diabetiker sind im Langzeit-Verlauf u.a. durch eine Verschlechterung der Nierenfunktion gefährdet. In der aktuellen Studie wurden die Wirkungen von 2 Gruppen von Diabetes-Medikamenten auf die Nierenfunktion untersucht. Dazu wählten die Forscher aus einem großen Pool von Diabetikern jeweils ca. 30.000 Patienten aus, die erstmals mit sog. SGLT2-Hemmern (meist Empagliflozin oder Dapagliflozin) oder erstmals mit sog. DPP-4-Hemmern (meist Sitagliptin oder Vildagliptin) behandelt wurden. Die beiden Gruppen waren in wesentlichen Merkmalen zu Beginn der Studie vergleichbar. In einem Beobachtungs-Zeitraum von 1,7 Jahren hatten die mit SGLT2-Hemmern behandelten Patienten ein 58% geringeres Risiko für eine Verschlechterung der Nierenfunktion. 

  • Pasternak B et al. BMJ 2020; 369:m1186
  • Busko M, Medscape Medical News, 4.5.2020

Kommentar: In bisherigen Studien waren SGLT2-Hemmer Schein-Medikamenten (Placebo) deutlich überlegen. Die aktuell retrospektive Untersuchung bestätigt den günstigen Einfluss auf die Nierenfunktion auch im Vergleich mit anderen sonst bewährten Diabetes-Medikamenten. Zu diesem Thema  siehe auch Beitrag weiter unten ( "Diabetes-Medikament bei Patienten mit Nierenschwäche")


 

Jüngere mit Übergewicht bei COVID-19 gefährdet 

 

Übergewicht zählt zu den häufigen Risikofaktoren für Gefäß-Erkrankungen. Aktuell haben Forscher die Risiken von Übergewicht bei Corona-Patienten untersucht. Dabei zeigte sich, dass insbesondere bei Jüngeren unter 60 Jahren das Vorliegen von Übergewicht mit einer deutlich schlechteren Prognose  verbunden war. Bei einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30-35 kg/qm war nahezu doppelt so häufig eine  mechanische Beatmung im Rahmen der Intensiv-Therapie erforderlich. Bei einem BMI > 35 stieg das Risiko auf das 3,6-Fache im Vergleich zu Normal-Gewichtigen.

  • Lighter J. et al. Clinical infectious diseases, 9.4.2020 

Kommentar: Fettgewebe setzt Substanzen frei, die Entzündungen unterhalten und die Immun-Abwehr schwächen können. Auch liegen bei Übergewichtigen oft noch andere Risiko-Faktoren wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus vor.  Damit besteht insgesamt ein erhöhtes Risiko für Gefäß-Erkrankungen. Die genannten Faktoren sind  für den oft schweren Verlauf mit Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung verantwortlich. Zusätzlich ist die Lungen-Belüftung (Ventilation) im Rahmen einer mechanischen Beatmung durch das Übergewicht erschwert.


  

Empfehlungen zur Diabetes-Behandlung bei  COVID-19

 

Ein internationales Experten-Team hat Empfehlungen zur Überwachung und Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus im Rahmen der Corona-Pandemie zusammengestellt.

 

Besondere Risiken bei Diabetes und Corona-Infektion

Generell wird bei Diabetikern im Rahmen einer Virus-Pneumonie oft ein schwerer Verlauf beobachtet. Auch im Rahmen der aktuellen Pandemie mit SARS-CoV-2  sind Diabetiker besonders gefährdet. Dies kann teilweise auf eine schwächere Immunabwehr zurückgeführt werden. Auch sind oft ältere Patienten betroffen, so dass  eine koronare Herzerkrankung vorliegen kann, die sich dann ungünstig auf die Prognose auswirkt. Eine weitere Risiko-Erhöhung ist bei zusätzlichem Vorliegen von Übergewicht gegeben, da auch bei Übergewicht eine schwächere Immunabwehr und eine chronische Entzündungs-Situation gegeben ist. Im Falle einer Beatmungs-Notwendigkeit  ist die Lungenbelüftung durch das Übergewicht erschwert. Eine suboptimale Blutzucker-Einstellung trägt zu einer weiteren  Risikoerhöhung  bei. Es liegen Berichte über schwere Entgleisungen des Blutzucker-Stoffwechsels mit oft  schwerer Ketoazidose schon bei Aufnahme im Krankenhaus vor. 

 

Empfehlungen für den ambulanten Patienten :

  • Vermeidung einer Infektion, d.h. Einhalten der empfohlenen Schutz-Maßnahmen.
  • Auf gute Stoffwechsellage achten. Therapie-Ziel: Blutzucker 72-144 mg/dl, HbA1c unter 7%.
  • Bei der kontinuierlichen Glucose-Messung (CGM), bzw. beim "Flash Glucose-Monitoring" (FGM) gelten folgende Zielwerte:                                                                                     Hypoglykämien (< 70 mg /dl) unter 4% , (bei Älteren oder Gebrechlichen unter 1%).                 Zeit im Ziel-Bereich (70-180 mg/dl) > 70%, (bei Älteren und Gebrechlichen > 50%).
  • Optimierung der bestehenden Therapie, falls erforderlich
  • Vorschnelles Absetzen einer stabilen Medikation vermeiden.
  • Bei Typ 1 Diabetikern ggf. Kontrolle auf Ketokörper in Blut oder Urin.  
  • Auf gute Einstellung des Lipid-Stoffwechsels achten. Statine weiter nehmen. 
  • Gute Blutdruck-Einstellung anstreben. Medikamente weiter nehmen, auch die sog. ACE-Hemmer und Sartane. 

Besonderheiten:

Im Falle von COVID-19 sollte die Stoffwechsel-Lage auch bei Nicht-Diabetikern beobachtet werden, da evtl. mit dem Neu-Auftreten eines Diabetes im Rahmen der Infektion gerechnet werden muss.  Nach Corona-Infektion kann noch längerfristig  eine metabolische Dysbalance vorliegen.   

  • Bornstein S et al. Lancet 23. April 2020.DOI:https://doi.org/10.1016/S2213-8587(20)30152-2 
  • Tucker M. Medscape Medical News, 28.4.2020

Kommentar: Es sollte unbedingt vermieden werden, dass Diabetiker erst im  Zustand einer Ketoazidose oder Laktatazidose ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Bei erkennbarer Verschlechterung der Stoffwechsel-Lage oder unklaren Situationen, insbesondere bei Infekten, sollte rechtzeitig in ärztlicher Absprache das weitere Vorgehen der jeweiligen Situation angepasst werden. Dazu kann im Rahmen von Infekten auch das Absetzen von ggf. kritischen Medikamenten wie z.B. Metformin gehören. Die o.g. Experten-Empfehlung sieht für den stationären, intensiv-medizinischen Bereich die rasche Einleitung einer intravenösen Insulin-Therapie zur Blutzucker-Einstellung vor. 


 

Kaffee empfohlen, "aber bitte mit Filter"

 

Bisherige Untersuchungen zu Nutzen oder Risiken von Kaffee haben keine einheitlichen Resultate ergeben. Auch wurde die Art der Zubereitung des Kaffees meist nicht näher untersucht. Norwegische Forscher berichten aktuell über Ergebnisse langfristigen Kaffee-Konsums von mehr als 500.000 Einwohnern. Dabei bevorzugten 59% der Teilnehmer Filterkaffee, 20% tranken Kaffee ungefiltert, 12% konsumierten beide Zubereitungs-Arten und 9% tranken keinen Kaffee. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hatten Konsumenten von Filterkaffee ein um 15% geringeres Sterbe-Risiko als Teilnehmer, die gänzlich auf Kaffee verzichteten. Das beste Ergebnis zeigte sich bei mäßigem Genuss von 1-4 Tassen Filter-Kaffee täglich. Bei den "Anhängern" von ungefiltertem  Kaffee fand sich kein wesentlicher Unterschied im Vergleich zu "Nicht-Trinkern". Ein erhöhtes Risiko bestand dagegen bei Männern im Alter von mehr als 60 Jahren, die ungefilterten Kaffee bevorzugten, insbesondere bei einem Konsum von mehr als 9 Tassen täglich. Das höhere Risiko bei Genuss von ungefiltertem Kaffee ging auch mit einem höheren Cholesterin-Spiegel einher. Einige Bestandteile von ungefiltertem Kaffee können zu einem höheren Cholesterin-Spiegel beitragen. 

 

Tverdal A et al. European Journal of preventive Cardiology. April 22, 2020. https://doi.org/10.1177/2047487320914443

ESC-Pressemitteilung: 23.04.2020

Schmidt J. Kardiologie.org. 24.4.20

 

Kommentar:  Zur Erklärung des positiven Ergebnisses für Filterkaffee verweisen die Autoren auf mögliche  antientzündliche, antithrombotische, antioxidative u.a. protektive Effekte. Dagegen  können einige Bestandteile von ungefiltertem Kaffee zu einem höheren Cholesterin-Spiegel beitragen. Wie bei den meisten Untersuchungen zu Ernährungs-Gewohnheiten handelt es sich um eine retrospektive Betrachtung, sodass ein kausaler Zusammenhang  möglich aber nicht zu belegen ist.


 

Diabetes-Medikament bei Patienten mit Nierenschwäche

 

Bisher war Dapagliflozin (Forxiga ®) als Diabetes-Medikament bekannt und hatte sich auch bei Patienten mit Herzschwäche bewährt. Bereits in früheren Studien hatten sich auch Hinweise auf eine  günstige Beeinflussung der Nierenfunktion ergeben. In einer aktuellen randomisierten Studie wurde  Dapagliflozin jetzt mit Placebo (Schein-Medikament) bei mehr als 4000 Patienten mit Nierenschwäche (Nieren-Insuffizienz) verglichen. Es wurde der Einfluss auf die Nierenfunktion und die Sterblichkeit im Verlauf untersucht. Aufgrund unerwartet günstiger Ergebnisse für Dapagliflozin wurde die Studie vorzeitig beendet. Genaue Ergebnisse liegen noch nicht vor.

 

Medscape Medical News 31.3. 2020 

 

Kommentar: Im Hinblick auf die bisher begrenzten Therapie-Möglichkeiten bei chronischer Nierenschwäche darf die Veröffentlichung der genauen Studien-Ergebnisse mit Spannung erwartet werden. 


 

Weniger Herz-Probleme mit Musik

 

Bisher gibt es nur wenige Untersuchungen zum Einfluss von Musik auf Herz-Erkrankungen. In einer aktuellen Studie wurden 350 Patienten mit Angina pectoris (Brustenge-Beschwerden) nach einem Herzinfarkt ausgewählt. Die Patienten wurden randomisiert (zufallsmäßig, wie beim Werfen einer Münze) in zwei Gruppen eingeteilt. Während eine Gruppe nur die medikamentöse Standard-Therapie erhielt, sollten die Teilnehmer der anderen Gruppe zusätzlich täglich 30 Minuten Musik mit geschlossenen Augen hören. Die für den individuellen Patienten jeweils geeignete Musik war zuvor in gemeinsamen Gesprächen mit den Forschern  und aufgrund der Körper-Reaktionen der Patienten (Pupillenreaktion) ausgewählt worden. Im Verlauf von 7 Jahren berichteten die Patienten mit Musik-Therapie wesentlich seltener über Angst-Gefühle oder Angina pectoris-Beschwerden. Auch waren ernste Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt, Herzschwäche, Bypass-Operation oder plötzlicher Herztod im Mittel um etwa 20% seltener aufgetreten. 

 

Quelle:  Mitrovic P et al. ACC.20/WCC virtuell 18.03.2020

Joana Schmidt; Kardiologie.org

 

Kommentar: Musik kann je nach Musik-Richtung und individuellem Geschmack  sowohl eine den Kreislauf anregende als auch eine beruhigende Wirkung  entfalten. Letzteres könnte durch Abnahme von Blutdruck und Herzfrequenz für die oben beschriebenen Ergebnisse der Studie  verantwortlich sein. 


 

 Viel Gehen - egal wie schnell 

Die vielfältigen positiven Wirkungen sportlicher Aktivität  sind gut belegt. Obwohl zunehmend über sog.  "Wearables" die Messung der Schrittzahl Verbreitung findet, liegen hierzu nur wenige Untersuchungen vor. In einer  aktuellen Studie wurde bei 4840 US-Bürgern mit einem  Mindestalter von 40 Jahren  mit Hilfe eines  Accelerometers die Schrittzahl und Geschwindigkeit über 6 Tage gemessen. Die Teilnehmer wurden dann über 10 Jahre beobachtet. Es fanden sich die folgenden  Sterberaten in Abhängigkeit von der anfangs gemessenen Schrittzahl:

 

                      Schrittzahl pro Tag                   Gesamt-Sterblichkeit  (%)

                          bis  4000                                               56,5

                          4000 - 8000                                          21,3

                          8000 - 12.000                                         7,3

                          Mehr als 12000                                      4,8 

 

Sowohl die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch an Tumor-Erkrankungen nahm mit zunehmender Schrittzahl ab. Die Geschwindigkeit hatte dagegen keinen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis.

 

Quelle: Sait-Maurice PF et al. JAMA Mar 24; 323 (12): 1151-1160

 

Kommentar: Auch mit nur mäßiger Schrittzahl  lässt sich bereits viel erreichen. Dabei scheint es nicht auf die Geschwindigkeit anzukommen. Andere Aktivitäten wie Schwimmen und Radfahren waren mit den seinerzeit verwendeten Geräten allerdings nicht zuverlässig erfasst worden. Auch handelt es sich um eine reine Beobachtungs-Studie, aus der sich kein kausaler Zusammenhang ableiten lässt. Möglicherweise sind die Ergebnisse zumindest teilweise auf unterschiedliche Ausgangsbedingungen in den o.g. Gruppen zurückzuführen. 


 

Unregelmäßiger Schlaf erhöht Risiko für Herzinfarkt / Schlaganfall

 

Bisherige Untersuchungen zum Einfluss von Schlaf-Gewohnheiten auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben vorwiegend auf die Schlafdauer fokussiert. In der aktuellen Studie wurde näher untersucht, wie sich Änderungen der Schlafdauer von Tag zu Tag bzw. auch Änderungen des Beginns der Nachtruhe von Tag zu Tag auf das Herz-Kreislauf-Risiko auswirken. Dazu wurde bei fast 2000 Teilnehmern über eine Woche die Aktivität mit einem Messgerät am Handgelenk gemessen. Auch waren umfangreiche Fragebögen auszufüllen. Die Teilnehmer wurden dann über etwa 5 Jahre beobachtet.

Teilnehmer mit stark wechselnder Schlafdauer (mehr als 2 h Unterschied an den Tagen einer Woche) oder unregelmäßigem Beginn der Nachtruhe (mehr 90 Minuten Unterschied) wurden mit Teilnehmern verglichen,  die sehr regelmäßige Schlafgewohnheiten aufwiesen. Die Teilnehmer mit eher unregelmäßigen Schlaf-Verhalten hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall im Verlauf der 5-jährigen Beobachtungs-Dauer.

 

Huang T et al. 2020. JACC;75 (9), 991-999

 

Kommentar:  Nicht nur Schichtdienst, sondern schon geringere Unregelmäßigkeiten der Schlaf-Gewohnheiten wirken sich offensichtlich ungünstig auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Während In früheren Untersuchungen  schon auf das erhöhte Risiko für Diabetes, Übergewicht oder hohen Blutdruck bei unregelmäßigem Schlaf-Verhalten hingewiesen wurde, deutet die aktuelle Untersuchung sogar auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt  oder Schlaganfall.  Es sollte also nicht nur pauschal auf eine ausreichende Schlafdauer,  sondern auch auf ein  möglichst regelmäßiges Schlaf-Verhalten geachtet werden.


 

Weltweites Spektrum kardiovaskulärer Risiko-Faktoren

 

Etwa 70% der kardiovaskulären Ereignisse (Herzinfarkte, Schlaganfälle, Todesfälle, Herzversagen) sind auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen. In der weltweit durchgeführten PURE-Studie konnten die 10 wichtigsten Risikofaktoren ermittelt werden, die für das Auftreten dieser Komplikationen verantwortlich sind. In der Studie waren mehr als 155.000 Teilnehmer aus insgesamt 21 Ländern in 5 Kontinenten im Hinblick auf 14 beeinflussbare Risiko-Faktoren beobachtet worden. In einem Zeitraum von im Mittel 9,5 Jahren  traten fast 8000 kardiovaskuläre Ereignisse auf. Je nach Land/Region zeigten sich dabei gewisse Unterschiede in der relativen Häufigkeit. Es ergab sich folgende Reihenfolge bei entweder globaler Betrachtung oder fokussiert auf die Industrie-Länder: 

 

            Global                                                    Industrieländer

1.   Hoher Blutdruck                                                Non-HDL-Cholesterin

2.   Non HDL-Cholesterin                                        Nikotin-Konsum

3.   Luftverschmutzung                                           Hoher Blutdruck

4.   Nikotin-Konsum                                                 Diabetes mellitus

5.   Fehl-/Mangelernährung                                    Abdominale Adipositas

6.   Geringe Bildung                                                 Geringe Bildung

7.   Abdominale Adipositas                                    Depressionen

8.   Diabetes                                                              Geringe Kraft               

9.   Geringe Kraft                                                      Fehl-/Mangelernährung

10. Geringe körperliche Aktivität                           Alkohol-Konsum

 

Quelle: Yusuf S et al.  Lancet. 2020 Mar 7;395 (10226):795–808. 

V. Schlimpert, Kardiologie.org; Nachrichten 11.3.20

 

Kommentar:  Im wesentlichen sind wieder „die üblichen Verdächtigen“  als Risiko-Faktoren identifiziert worden. Erstaunlich ist der global große Stellenwert der Luft-Verschmutzung als Risikofaktor. Auch Mainzer Forscher hatten kürzlich über die Rolle von "Air pollution" als weltweitem kardiovaskulärem Risikofaktor berichtet. In der PURE-Studie war ein wesentlicher Anteil dieses Risikos auf das Verbrennen von Holz u.a. beim häuslichen Kochen in Ländern mit geringem pro-Kopf-Einkommen zurückzuführen. Übergewicht und hoher Salzkonsum waren zwar nicht unter den 10 wichtigsten Faktoren vertreten, tragen aber weiterhin nicht unwesentlich zum kardiovaskulären Risiko bei. Alle untersuchten Faktoren lassen sich durch individuelle Verhaltens-Änderungen/Therapien, oder auch gesellschaftliche /staatliche Interventionen günstig beeinflussen.   


 

Wegen Corona-Pandemie:  Pneumokokken-Schutzimpfung für chronisch Herzkranke besonders empfohlen

 

Da Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen im Rahmen der aktuellen Corona-Pandemie besonders gefährdet sind, raten US-Kardiologen des "American College of Cardiology" neben der Grippeschutzimpfung auch zur Pneumokokken-Impfung bei kardial vorerkrankten Patienten, um bakterielle Sekundär-Infektionen zu vermeiden. 

 

Quelle: JACC, ACC Bulletin vom 13.2. und 9.3.2020

 

Kommentar:  Dies wird auch von den Impf-Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts abgedeckt.  Danach wird die Impfung u.a. empfohlen:

---Generell ab einem Alter von 60 Jahren

---Ab einem Alter von 16 Jahren bei Vorliegen chronischer Erkrankungen von Herz, Lunge,   Diabetes mellitus oder bei Patienten mit geschwächter Immunabwehr ( z.B. frühere Milz-Entfernung,  HIV, Organtransplantation).  Bezüglich der Empfehlungen für Kinder siehe STIKO-Empfehlungen.  In der Regel wird Pneumovax® als Impfstoff verwendet. Insbesondere bei geschwächter Immunabwehr kann zunächst ein anderer Impfstoff im Rahmen einer sog.  sequentiellen Impfung erforderlich sein.  Im Einzelfall  muss dies der betreuende Arzt entscheiden. Wie bei anderen Impfungen auch, sollte die Impfung nicht während eines akuten Infektes erfolgen.  Auch Gesundheitsminister J. Spahn hat anlässlich der Corona-Pandemie  die Pneumokokken-Schutzimpfung ab einem Alter von 60 Jahren, sowie für Patienten mit chronischen Vorerkrankungen empfohlen. 


 

Bewegung beugt Vorhofflimmern vor - meistens

 

Vorhofflimmern gilt wegen der  möglichen Gefährdung durch Schlaganfälle als bedrohliche Störung des Herzrhythmus.  In einer aktuellen Untersuchung wurden die Daten von mehr als 400.000 Teilnehmern im Hinblick auf Angaben zur körperlichen Aktivität analysiert. Der gesundheitliche Zustand der  Teilnehmer wurde über einen Zeitraum von etwa 7 Jahren (Median) beobachtet.  Dabei zeigt sich, dass Teilnehmer, die regelmäßig sportlich aktiv waren, ein geringeres Risiko für Vorhofflimmern und auch andere ernste Rhythmus-Störungen aufwiesen. Bei extremer sportlicher Dauer-Belastung zeigte sich dagegen sogar ein höheres Risiko für Vorhofflimmern, zumindest bei Männern. Bei Frauen konnte in dieser Untersuchung  kein erhöhtes Risiko  nachgewiesen werden.

 

Quelle: Elliott A.D. et al.:  European Heart J, ehz897

Nattel S.: European Heart Journal, ehz897

 

Kommentar: Die vorteilhaften Wirkungen  sportlicher Aktivität sind  vielfach  belegt, insbesondere die verringerte Rate an Herzkreislauf-Erkrankungen. Überzeugend zeigen die neuen Daten auch die vorbeugende Wirkung körperlicher Aktivität im Hinblick auf das Auftreten von  Vorhofflimmern.  Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Extreme sportliche Aktivität führte hier zumindest bei Männern sogar zu einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern. Auch in früheren Untersuchungen war dieses erhöhte Risiko bei extremen Ausdauer-Belastungen wie Marathon-Läufern oder Triathleten beobachtet worden, kürzlich auch bei kraft-betonten Sportarten wie "American Football".  Wie so oft scheint sich auch für sportliche Aktivität und das Risiko von Vorhofflimmern  die Faustregel von Paracelsus zu bestätigen: ”Die Dosis macht das Gift". 


 

Auch wenig Sport kann viel bewirken

 

Ein internationales Forscher-Team hat den Einfluss von Joggen auf das langfristige Sterbe-Risiko untersucht. Dazu wurden die Ergebnisse von 14 Studien zu diesem Thema analysiert (Metaanalyse). Insgesamt mehr als 230.000 Personen waren über einen Zeitraum von 5-35 Jahren beobachtet worden. Nur etwa 10% der Teilnehmer waren Läufer. Jogger hatten im Verlauf einen deutlichen Überlebensvorteil. Die Gesamt-Sterblichkeit war im Vergleich zu Personen ohne Laufsport relativ um 27% geringer. Die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag 30% und auch die Sterblichkeit an Krebs-Erkrankungen 23% niedriger. Dies galt auch bei nur geringer Lauf-Leistung ( 1 x / pro Woche, mäßige  Geschwindigkeit (<9 Km/h),  Laufdauer nur 50 Minuten). Eine intensivere sportliche Aktivität hatte keinen zusätzlichen Einfluss auf die Sterblichkeit.

 

Quelle: Pedisic Z et al. British Journal of Sports Medicine 2019 Nov 4. pii: bjsports-2018-100493. doi: 10.1136/bjsports-2018-100493. (Epub ahead of print)

 

Kommentar:   Ehrgeizige  Empfehlungen zu sportlicher Aktivität  (mindestens 3 x /Woche, am besten täglich) können vielbeschäftigte, unter Zeitdruck stehende Nicht-Sportler möglicherweise  eher  demotivieren und von der Aufnahme einer sportlichen Betätigung fernhalten.  Insofern sind die obigen Ergebnisse ermutigend,  zeigen sie doch, dass auch bei geringem Einsatz ein großer Nutzen zu erwarten ist.   Zwar konnte in dieser Studie kein zusätzlicher Vorteil bei intensiverer sportlicher Aktivität nachgewiesen werden, aber ein nachteiliger Effekt hatte sich auch nicht gezeigt.  Natürlich können andere Faktoren  wie das subjektive Wohlbefinden die Entscheidung zu einer intensiveren sportlichen Betätigung günstig beeinflussen.  


 

Mögliche Ursache für Lungenschäden nach E-Zigaretten gefunden

 

Die in den USA beobachtete Häufung schwerer Lungen-Erkrankungen mit bisher mehr als 2000 Fällen, davon mindestens 39 Todesfällen, nach Dampfen von E-Zigaretten (siehe früherer Beitrag in Herz-News weiter unten) ist möglicherweise  geklärt. 

 

Verdacht  fällt auf Vitamin E-Acetat

Bei 29 Erkrankten wurde Lungen-Flüssigkeit, meist im Rahmen einer Bronchien-Spülung,   untersucht.  In allen Fällen konnte  Vitamin E-Acetat nachgewiesen werden.  Die ölige Substanz wird auf dem Schwarzmarkt dem wesentlich teureren Cannabis-Öl  beigemischt, um die Liquids zu "strecken".  Die meisten der untersuchten Patienten hatten Cannabis-haltige Liquids konsumiert, die sie überwiegend nicht im regulären Handel erworben hatten.  Vitamin E-Acetat ist farb- und geruchlos und häufig in Nahrungsmitteln,  sowie in Medikamenten und Hautpflege-Produkten enthalten. Bei oraler Aufnahme und auf der Haut wird es gut vertragen.  Im Körper wird es teils in natürliches Vitamin E umgewandelt. Aber beim Erhitzen und Inhalieren von Aerosolen entfaltet es möglicherweise eine toxische Wirkung,  ggf. auch durch Abbau-Produkte vermittelt.  Es ist bekannt, dass  ölige Substanzen, die in die Lunge gelangen,  z.B. durch Inhalation oder beim "Verschlucken",   Lungenentzündungen verursachen können (Lipid-Pneumonie).   Weitere toxische Substanzen hatten sich bei den bisherigen Untersuchungen  nicht nachweisen lassen. Gleichwohl kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch  noch  andere Toxine eine Rolle spielen.  

 

Warnung der US-Gesundheits-Behörde

Die US-Gesundheitsbehörden warnen weiter vor  Cannabis-haltigen Liquids, insbesondere vor solchen, die nicht im regulären Handel  erworben werden. Da ein kleiner Teil  der Patienten nur über den Konsum von Nikotin-haltigen Liquids berichtet hatte, sollte laut Behörde erwogen werden, ggf. ganz auf Liquids  und E-Zigaretten  zu verzichten. 

 

Quelle: Centers for disease control and prevention (CDC), press release,  8.Nov. 2019

 

Kommentar:

Auch für den hiesigen  Konsumenten  empfiehlt es sich,  zumindest  auf Liquids unklarer Herkunft zu verzichten.  


 

Mit Optimismus besser und länger leben

 

Dass negative Emotionen das Risiko für Herzerkrankungen, insbesondere Herzinfarkt, erhöhen können, ist bekannt. Zur Frage, wie sich eine generell optimistische Lebens-Einstellung auf das Herz-Kreislauf-Risiko auswirkt, gab es bisher nur wenige Untersuchungen.

In einer sog. Metaanalyse wurden die Ergebnisse von 15  Studien zu diesem Thema mit mehr als 230.000 Personen zusammenfassend ausgewertet.  Bei den Studien-Teilnehmern war mit geeigneten psychologischen Testverfahren die Ausprägung einer optimistischen Lebenseinstellung geprüft worden. Danach wurden die Studien-Teilnehmer bis zu 40 Jahre (im Mittel ca.14 Jahre) nachbeobachtet. Personen mit optimistischer Grundhaltung hatten im Verlauf ein um 35% geringeres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskuläre Todesfälle oder erstmalige Angina pectoris (Brustenge, Zeichen einer Koronaren Herzkrankheit). Auch die Gesamt-Sterblichkeit lag relativ um 18% niedriger. Je ausgeprägter die positive Lebenseinstellung war, umso weniger Kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle traten auf.

 

Quelle: Rozanski A et al. JAMA Network Open. 2019;2(9):e191 2200, doi:10.1001/ jamanet-workopen.2019.12200

 

Kommentar: Besonders überzeugend an den o.g. Ergebnissen ist der Nachweis einer "Dosis-Wirkungs-Beziehung" zwischen optimistischer Lebenseinstellung  und geringerem kardiovaskulärem Risiko. Ob es sich dabei um direkte Auswirkungen einer positiven Lebenshaltung handelt, oder ob indirekt wirkende Faktoren das Ergebnis  beeinflusst haben, lässt sich anhand der vorliegenden Untersuchung nicht beurteilen.  So ist nicht  auszuschließen,  dass eine positive Lebens-Einstellung  auch häufiger mit gesünderen  Verhaltensweisen wie regelmäßiger sportlicher Aktivität, Meidung von Genussgiften wie Nikotin oder routinemäßigen Vorsorge-Untersuchungen etc. einhergeht. Letztlich ist aber das Ergebnis entscheidend, so dass sich die Frage stellt, wie Menschen mit bisher nicht so optimistischer Grundhaltung ein Weg zu einer vorteilhafteren Lebens-Einstellung eröffnet werden kann.


 

Neue Leitlinien zur Diabetes -Therapie

 

Die neuen Leitlinien bedeuten einen Paradigmen-Wechsel in der Therapie des Diabetes  mellitus Typ 2.  Im Rahmen der medikamentösen Erst-Einstellung  werden bei Hoch-Risiko-Patienten jetzt  die relativ neuen Medikamenten-Gruppen  der sog. SGLT2-Hemmer und der GLP-1- Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA)  empfohlen.  Diese neuen Medikamente können nicht nur den Blutzucker senken, sondern haben darüber hinaus gezeigt, dass sie in der Lage sind,  kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Todesfälle zu verhindern. Weitere positive Begleiterscheinungen sind Gewichtsabnahme und auch Blutdruck-Senkung. Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sind anders als bei einigen der älteren Diabetes-Medikamente  nicht zu befürchten. Wenn also erstmals eine Therapie bei  Diabetes mellitus Typ 2 eingeleitet werden soll, dann sind bei Hoch-Risiko-Patienten nun diese neuen Medikamenten-Gruppen favorisiert.  Ein hohes Risiko liegt u.a. vor bei bereits bekannter atherosklerotischer Gefäß-Erkrankung (z.B. koronare Herzkrankheit, früherem  Herzinfarkt, Stent-Implantation  oder "Schaufenster-Krankheit" etc.) aber auch bei schon  nachweisbaren Folgeschäden des Diabetes mellitus wie erhöhter Eiweiß-Ausscheidung im Urin, Herzmuskel-Verdickung oder Netzhautschäden. An typischen Nebenwirkungen stehen bei den SGLT2-Hemmern  Urogenital-Infekte (durch hohe Zucker-Ausscheidung im Urin) und bei den GLP-1-RA   Magen/Darm-Beschwerden im Vordergrund. Folgende Substanzen werden von den Leitlinien empfohlen:

 

SGLT2-Hemmer

-  Empagliflozin    (Jardiance®),

-  Canagliflozin     (nicht auf dem deutschen Markt verfügbar)

-  Dapagliflozin     (Forxiga®

Oder

GLP-1-Rezeptor- Agonisten

-  Liraglutid             (Victoza®)

-  Semaglutid         (Ozempic®)   

-  Dulaglutid           (Trulicity®

 

Insbesondere für  Empagliflozin  und Liraglutid  konnte in den Studien eine überzeugende Abnahme  des Sterberisikos nachgewiesen  werden,  sodass  die beiden Substanzen in diesem Kontext besonders empfohlen werden.  Da  SGLT2-Hemmer sich auch  bei Patienten  mit begleitender Herzschwäche bewährt haben, sollten sie in diesen Fällen bevorzugt  werden.

 

Quelle:  ESC Guidelines on diabetes, pre-diabetes,and cardiovascular diseases developed in collaboration with the EASD.  The Task Force for diabetes, pre-diabetes, and cardiovascular diseases of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD); European Heart Journal (2019) 00, 169ESC GUIDELINES doi:10.1093/eurheartj/ehz486

 

 Kommentar:  Diese neuen Leitlinien-Empfehlungen zur Therapie des Diabetes mellitus   Typ 2  sind durch die aktuellen Studien gut begründet.  GLP-1-RA werden bisher subkutan injiziert (Liraglutid 1 x täglich, die beiden anderen Substanzen  1 x  /Woche).  In den USA wurde zwischenzeitlich aber auch eine oral verfügbare Form von Semaglutid  zugelassen.  Kombinations-Präparate von SGLT2-Hemmern mit Metformin  sind verfügbar, nämlich Synjardy® (Empagliflozin + Metformin)  oder Xigduo® (Dapagliflozin + Metformin).  Die zunehmende Vielfalt der therapeutischen Optionen und die Berücksichtigung individueller Besonderheiten erfordern immer die kompetente ärztliche Begleitung.   


 

Bei KHK: Mehr bewegen oder „Run for Your Life“

 

In einer großen internationalen Langzeit-Studie (CLARIFY-Register) wurde der Einfluss körperlicher Aktivität auf die Langzeit-Prognose von Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) untersucht. Die mehr als 32000 teilnehmenden Patienten hatten entweder in der Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten oder eine nachgewiesene bekannte Verengung der Koronararterien (mit oder ohne Behandlungen wie Stent-Implantation oder Bypass-Operation). Ihrer körperlichen Aktivität (KA) entsprechend wurden die Patienten in 4 Gruppen eingeteilt.                                                - Gruppe 1 wenig Bewegung, weitgehend sitzend                                                                                           - Gruppe 2 leichte KA                                                                                                                                           - Gruppe 3 stärkere KA, 1-2 mal pro Woche, Dauer jeweils mindestens 20 Min.                                       - Gruppe 4 stärkere KA, mehr als 2 x pro Woche, Dauer jeweils mindestens 20 Min.                          Als stärkere körperliche Aktivität war eine Belastung definiert, die mit schnellerem Herzschlag, vorübergehender Kurzatmigkeit und Schwitzen einherging. Die Patienten wurden über 5 Jahre beobachtet. In diesem Zeitraum waren kardiovaskuläre Todesfälle, Herzinfarkte und Schlaganfälle bei 12,2% (Gruppe 1), 8,3% (Gruppe 2), 5,8% (Gruppe 3) und 6,1 % (Gruppe 4) der Patienten aufgetreten. Damit lag das Risiko bei den Patienten mit stärkerer körperlicher Aktivität nur etwa halb so hoch wie bei den „Couch potatoes“ . Bereits leichte körperliche Aktivität war schon mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden. Eine intensivere körperliche Aktivität von mehr als 2 x pro Woche war in dieser Untersuchung nicht mit einer weiteren Risiko-Abnahme verbunden. Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich auch für die Gesamt-Sterblichkeit.  

                                                                                                                                                                      Quelle:  Biscaglia S et al. Relationship between physical activity and long-term outcomes in patients with stable coronary artery disease. Eur J Prev Cardiol 2019;26. Sept, https://doi.org/10.1177/204748731987121

 

Kommentar: Auch leichte körperliche Aktivität (z.B. Spazierengehen)  kann das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen bereits deutlich vermindern.  Den größten Nutzen erreicht man aber mit einer stärkeren körperlichen Aktivität wie schnellem Gehen oder Laufen mit o.g. Symptomen. Da es sich nicht um eine randomisierte Studie handelt (keine zufallsmäßige Zuteilung zu den verschiedenen Aktivitäts-Gruppen), können  andere Erkrankungen das Ergebnis beeinflusst haben.  So wird ein Patient mit schwerer Lungenerkrankung  möglicherweise sowohl eine eingeschränkte Leistungsbreite als auch eine schlechtere Langzeit-Prognose unabhängig von der Herzerkrankung aufweisen. 


 

Einfluss von Schlafdauer und "Nickerchen" auf Herz-Risiko

 

Ärzte der McMaster Universität (Kanada) haben den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Kardiovaskulären Ereignissen (Herzinfarkte, Todesfälle) untersucht. Insgesamt wurden über 116000 Patienten aus 21 verschiedenen Ländern  über einen Zeitraum von 7,8 Jahren beobachtet. Sowohl eine kurze Schlafdauer (weniger als 6 Std. pro Tag) als auch längere Schlafzeiten (mehr als 8 Std. pro Tag)  waren mit einem erhöhten Risiko  verbunden. Mit zunehmender Schlafdauer,  jenseits von 8 Stunden, stieg das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse an. Das höchste Risiko fand sich bei einer Schlafdauer von mehr als 10 Stunden. Ein Nickerchen am Tag war dann nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, wenn der Nachtschlaf unter 6 Stunden betrug. Ein erhöhtes Risiko fand sich dagegen bei  "Mittag-Schläfern" mit einer nächtlichen Schlafdauer von mehr als 6 Stunden.

 

Quelle: Wang C et al. Eur Heart J 2019; 40 (20): 1620-1629

 

Kommentar:  Das optimale Zeit-Fenster für den Nachtschlaf scheint zwischen 6 und 8 Stunden zu liegen. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, können viele Faktoren das Ergebnis beeinflusst haben. Es wäre denkbar, dass Teilnehmer mit sehr langer Schlafdauer häufiger an noch unerkannten chronischen Infektionen, Depression oder anderen Erkrankungen leiden. Die Studien-Ergebnisse sind vor diesem Hintergrund also mit Vorbehalt zu werten. Das erhöhte Risiko bei einer Schlaf-Dauer von weniger als  6 Stunden wurde aber auch in einer anderen kürzlich durchgeführten Untersuchung bestätigt.


 

7500 Schritte pro Tag verringern das Herz-Kreislauf-Risiko bei Frauen

 

Die Harvard Universität (USA) berichtet über den Zusammenhang zwischen täglicher Gehstrecke und langfristigem kardiovaskulären Risiko.  Hierzu wurden mehr als 16700 Frauen  (Teilnehmerinnen der sogenannten  "Womens Health"- Studie) untersucht.  Die Studien-Teilnehmerinnen trugen über mehrere Tage einen Schrittzähler  und wurden im Mittel über 4,3 Jahre weiter beobachtet. Bis zu einer Schrittzahl von 7500 Schritten pro   Tag nahm das Risiko für kardiovaskuläre  Ereignisse ab, danach kam es zu einer Plateau-Bildung der Ereignis-Rate. Bei älteren Frauen waren sogar Schrittzahlen unter 5000 /Tag ausreichend, um das kardiovaskuläre Risiko zu verringern. 

 

Quelle: Lee IM et al. JAMA Intern Med 2019;179 (8): 1105-1112

 

Kommentar: Damit liegt eine weitere wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung von 10.000 Schritten pro Tag vor. Mehr als 7500 Schritte pro Tag führten bei den teilnehmenden Frauen nicht zu einer weiteren Verminderung des Herz-Kreislau-Risikos, hatten aber auch keine nachteiligen Effekte. Als Kritikpunkt bleibt zu erwähnen, dass die Schrittzahl  nur an wenigen Tagen zum Beginn der Studie gemessen wurde.

 


 

ASS in der Primär-Prävention nur selten sinnvoll

 

Während der Nutzen von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin® ) in der Sekundär-Prävention (nach Herzinfarkt, nach Schlaganfall etc.) gut belegt ist, gibt es weiter anhaltende Unsicherheit über den Nutzen von ASS in der Primär-Prävention, also bei Patienten, bei denen noch kein größerer Gefäßschaden aufgetreten ist. Eine Forschergruppe in den USA hat die Ergebnisse aller diesbezüglich relevanten randomisierten Studien in einer sog. Meta-Analyse mit mehr als 165000 Patienten zusammengefasst. Bezüglich der Gesamt-Sterblichkeit gab es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Studien-Teilnehmern mit und ohne ASS-Behandlung. Es zeigte sich aber ein geringeres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bei ASS-Behandlung, dagegen bestand ein höheres Risiko für Blutungs-Komplikationen. Insgesamt waren die Effekte aber gering. Es müssen 263 Patienten behandelt werden, um ein relevantes kardiovaskuläres Ereignis zu verhindern. Dem-gegenüber ist eine schwere Blutungs-Komplikation bei einem von 222 behandelten Patienten zu erwarten.

 

Quelle: Abdelaziz H et al. JACC 2019;73:2915

 

Kommentar:  Aufgrund der ungünstigen Nutzen/Risiko-Relation kann eine generelle Primär-Prävention mit ASS weiter nicht empfohlen werden. Allenfalls bei Patienten mit einem sehr hohen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse  und/oder schon deutlich nachweisbarer Atherosklerose  kann der Einsatz von ASS erwogen werden, wenn gleichzeitig kein erhöhtes Blutungsrisiko gegeben ist. Diese individuelle Abwägung kann nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

 


 

Vitamin D ohne Einfluss auf Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall  

 

Niedrige Vitamin D Spiegel waren in der Vergangenheit mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Tod) in Verbindung gebracht worden. In mehreren Studien wurde daher die Einnahme von Vitamin D unter diesem Gesichtspunkt untersucht. Die jetzt vorliegende zusammenfassende Analyse (Meta-Analyse) von 21 randomisierten Studien mit mehr als 83.000 Patienten zeigt, dass die Einnahme von Vitamin D im Vergleich zu Placebo keinen Einfluss auf Kardiovaskuläre-Ereignisse hat. Dies galt auch für unterschiedliche Vitamin D Dosierungen, sowie für Patienten mit oder ohne begleitende Calcium-Gabe.

 

Quelle: Barbarawi  M et al. JAMA Cardiol 2019; doi: 10.1001

 

Kommentar: Unabhängig von diesen Studien-Ergebnissen kann die Einnahme von Vitamin D-Präparaten natürlich aus anderen Gründen sinnvoll sein, z.B. zur Behandlung oder Prävention der Osteoporose. 


 

Gewonnene Lebensjahre durch Einstellung des Nikotin-Konsums 

 

Bei mehr als 4600 Patienten, die erstmals ein kardiovaskuläres Ereignis, z.B. Herzinfarkt,  erlitten hatten, wurde untersucht,  wie sich das Einstellen bzw. Fortführen von Rauchen  auf die Langzeit-Prognose auswirkt. Etwa 32 % der Patienten waren zum Zeitpunkt des Ereignisses aktive Raucher. Ein Drittel dieser  Patienten stellte  das Rauchen nach dem Ereignis ein, die übrigen Patienten rauchten weiter.  Die Patienten wurden über einen Zeitraum von 7,4 Jahren (Median) beobachtet. Die Sterblichkeit war bei der Gruppe, die das Rauchen eingestellt hatte, im Langzeit-Verlauf um 37 % geringer als bei der Raucher-Gruppe. Patienten, die auf das Rauchen verzichtet hatten, lebten im Mittel 5 Jahre länger. Der günstige Effekt des Nikotin-Verzichts  war unabhängig  vom Alter der Patienten. 

 

Quelle: van den Berg  MJ et al. Am Heart J  2019; 213: 112-122

 

Kommentar:  Das Einstellen des Nikotin-Konsums nach einem kardiovaskulären Ereignis, z.B. nach einem Herzinfarkt, ist die wichtigste Maßnahme, um die weitere Langzeit-Prognose zu verbessern, und zwar unabhängig vom Alter. 


 

Schwere Lungen-Erkrankungen nach E-Zigaretten in den USA

 

E-Zigaretten sollen weniger schädliche Substanzen freisetzen als herkömmlich gerauchter Tabak.  Anstatt Tabak zu verbrennen, werden sog. "Liquids" in E-Zigaretten verdampft. Diese Liquids enthalten auch Nikotin, in den USA häufig auch Cannabis-Produkte. Über mögliche Nebenwirkungen ist bisher wenig bekannt. In den USA wird aktuell  über 530  Verdachtsfälle  einer bisher unklaren Lungen-Erkrankung bei meist Jugendlichen berichtet. Allen gemeinsam war der Konsum von E-Zigaretten.  Die Beschwerden reichen von Husten und Fieber über Durchfall bis Erbrechen. In einem Drittel der Fälle musste wegen schwerer Atemnot eine künstliche  Beatmung eingeleitet werden. In 8 Fällen war der Verlauf bisher tödlich. Die Häufung dieser Fälle erst in  letzter  Zeit erinnert an eine Epidemie. Die Gesundheitsbehörden "Centers for disease control and prevention (CDC)" und die FDA untersuchen die Verdachtsfälle. Aktuell  wird am ehesten  von toxischen Bestandteilen der Liquids ausgegangen. In mehr als 80% der untersuchten Fälle enthielten die Liquids Cannabis-Produkte.  Auch waren die meisten Produkte nicht im regulären Fachhandel, sondern "auf der Straße" erworben worden. 

 

Quelle: Washington Post 17.9.2019; CDC 19.9.2019

 

Kommentar:  Wenn auch in Deutschland bisher  nicht über vergleichbare Fälle berichtet wurde, empfiehlt es sich,  Liquids unklarer Herkunft nicht zu verwenden.