Rhythmus-Störungen (außer Vorhofflimmern, siehe dort) - Schrittmacher - Defibrillator ( ICD, Defi ) - Ablation u.a.


 

Anspruch auf Zweitmeinung bei Ablation

 

Bei einigen Herzrhythmusstörungen werden häufig Katheter-Verfahren zur Diagnostik (elektrophysiologische Untersuchung - EPU) oder Therapie angewendet. So wird z.B. bei sog. Vorhofflimmern über einen Katheter ein Teil des Herzgewebes durch Hitze- oder Kälte-Einwirkung verödet (Ablation), um so die Rhythmusstörung dauerhaft zu beseitigen. Dabei müssen in jedem individuellen Fall möglicher Nutzen und evtl. Risiken eines solchen Eingriffs gegeneinander abgewogen werden. Zukünftig sollen gesetzlich krankenversicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung durch einen qualifizierten Kardiologen haben. Der Vorschlag wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit zur rechtlichen Prüfung vorgelegt und nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft treten.

  • Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 18. März 2022:                                    https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1031/ 

Kommentar: Ein rechtlicher Zweitmeinungs-Anspruch für Versicherte der gesetzlichen Kranken-Versicherungen besteht aktuell bereits bei den folgenden planbaren Eingriffen:

  • Amputation beim diabetischen Fußsyndrom
  • Eingriff an Gaumen- oder Rachenmandeln
  • Eingriff an der Wirbelsäule
  • Gebärmutter-Entfernung
  • Gelenk-Spiegelungen an der Schulter
  • Implantation einer Knie-Endoprothese  

 

Magnetfeld stoppt „elektrischen Sturm“

 

Das mehrfache Auftreten von Herzrasen aus den Herzkammern (Kammer-Tachykardie oder ventrikuläre Tachykardie) in kurzer Folge wird als "elektrischer Sturm" bezeichnet. Diese gefürchtete Rhythmus-Störung ist schwer behandelbar und geht mit einem hohen Risiko für die Patienten einher. Medikamente wirken oft nicht hinreichend. In einer aktuellen Untersuchung wurden 26 Patienten mit einem solchen elektrischen Sturm ausgewählt. Während die eine Hälfte der Patienten nur die standardmäßige medikamentöse Therapie erhielt, erfolgte bei der anderen Hälfte der Patienten von außen eine Magnet-Stimulation im Halsbereich. Hier liegt ein wichtiges Nervengeflecht des sog. vegetativ-sympathischen Nervensystems (Ganglion stellatum). In den nächsten 72 Stunden traten bei den Patienten nach Magnet-Stimulation rund 50% weniger Kammer-Tachykardien auf.

  • Markman T. JAMA Cardiol. Published online February 16, 2022. doi:10.1001/jamacardio.2021.6000

Kommentar: Das sympathische Nervensystem beeinflusst im Rahmen der sog. "Flucht- oder Kampf-Reaktion" auch das Herz und führt unter anderem zu einer Erhöhung der Herzfrequenz. Im ungünstigen Falle können auch schnelle Rhythmus-Störungen (Kammer-Tachykardie) begünstigt werden. Die berichteten Ergebnisse einer Beeinflussung des Nervengeflechts von außen durch Magnet-Stimulation sind vielversprechend, zumindest als additive Behandlungs-Option bei wiederkehrenden lebensbedrohlichen Arrhythmien. Das Konzept muss weiter im Rahmen größerer Studien untersucht werden. 


 

Vorsicht bei Herz-Stolpern nach Belastung

 

In der aktuellen Studie wurden die langfristigen Auswirkungen von ventrikulären Extrasystolen (vorzeitige Herzschläge aus den Herzkammern) im Rahmen von Belastungs-Tests untersucht. Dazu wurde bei rund 5500 beschwerdefreien Teilnehmern ein Belastungstest ausgewertet. Teilnehmer mit ausgeprägter Neigung zu Extraschlägen (z.B. mehr als 10/Minute) wurden über 20 Jahre begleitet. Ein besonders ungünstiger Einfluss fand sich bei Extraschlägen, die nur in der Erholungsphase nach Belastung auftraten.

  • Refaat M. J Am Coll Cardiol. 2021 Dec, 78 (23) 2267–2277 

Kommentar: Auch bei Arrhythmien, die nur nach einer Belastung auftreten, sollte daher eine ausführliche kardiovaskuläre Diagnostik erfolgen.  


 

Yoga gegen Ohnmachts-Anfälle

 

In einer aktuellen Studie wurden 55 Patienten mit wiederkehrenden Ohnmachts-Anfällen auf dem Boden von sog. vasovagalen Synkopen untersucht. Dabei erhielt eine Gruppe der Patienten die Standard-Versorgung, während die andere Gruppe zusätzlich ein spezielles Programm zum Yoga-Training absolvierte. Im Verlauf von 12 Monaten waren 43% der Patienten in der Yoga-Gruppe und nur 16% der Patienten in der Vergleichs-Gruppe völlig symptomlos geblieben (keine Synkope, keine Vorstadien einer Synkope). 

  • Sharma G. JACC Clinical Electrophysiology. doi.org/10.1016/j.jacep.2021.09.007 

Kommentar: Bei der vasovagalen Synkope handelt es sich um eine plötzliche, kurzzeitige Bewusstlosigkeit. Häufige Auslöser sind langes Stehen oder emotionale Belastungen wie z.B. Schreck- oder Schmerzerlebnisse. Hierdurch kann es zu einer überschießenden Aktivität des Vagus-Nervs mit plötzlichem Abfall von Blutdruck und Herzfrequenz kommen. Im Hinblick auf die nur begrenzten präventiven/therapeutischen Möglichkeiten könnte sich mit dem Yoga-Training ein vielversprechender Ansatz eröffnen. 


 

Doch „Herz-Stolpern“ durch Kaffee?

 

Zum möglichen Einfluss von Kaffee auf Herz-Rhythmus-Störungen liegen widersprüchliche Berichte vor. Aktuell nahmen 100 gesunde Teilnehmer (mittleres Alter 38 Jahre) über einen Zeitraum von 14 Tagen an einer Studie teil. Per "Zufalls-Generator" wurden die Teilnehmer in 2 Gruppen eingeteilt und täglich neu festgelegt, wie sich die beiden Gruppen bezüglich des Kaffee-Konsums verhalten sollten. Während die eine Gruppe am jeweiligen Tag auf Koffein verzichten sollte, wurde die andere Gruppe zum Koffein-Konsum angehalten (mindestens 1 Tasse). Bei allen Teilnehmern wurde kontinuierlich ein EKG registriert. 

Sog. Extrasystolen (verfrüht einfallende Herzschläge), die von Betroffenen oft als „Herzstolpern“ oder auch als „Aussetzer“ wahrgenommen werden, traten um 50% häufiger an Tagen mit Kaffee-Konsum auf. Dies betraf aber nur Extrasystolen aus den Herzkammern, die Vorhöfe waren nicht betroffen. Darüberhinaus bewegten sich die Teilnehmer an Tagen mit Kaffee-Konsum mehr (rund 1000 Schritte zusätzlich am Tag), die Schlafdauer war um 36 Minuten reduziert. 

  • Marcus G, AHA-Konferenz, Nov 2021
  • Wendling P,  Medscape, 14. Nov. 2021 

Kommentar: Die Studie wurde bei relativ jungen und gesunden Teilnehmern durchgeführt, sodass die Ergebnisse nicht ohne Vorbehalt auf Patienten mit kardialen Vorerkrankungen übertragbar sind. Der offensichtlich verstärkte Bewegungsdrang bei Kaffee-Konsum könnte sich günstig auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck, Diabetes und Gewicht auswirken. Allerdings müssten zur Beantwortung dieser Frage längerfristige Beobachtungen vorliegen.

 


 

Strahlen programmieren Herz-Zellen neu

 

Bei sog. ventrikulären Tachykardien (Kammer-Tachykardie, bedrohliche Form des Herzrasens) wird häufig über einen Katheter eine sog. Ablation (Verödung) in bestimmten Regionen des Herzens vorgenommen. Bisher war man davon ausgegangen, dass die mit der Therapie einhergehende Narbenbildung für den Erfolg der Therapie entscheidend ist. Aktuell gelang US-Forschern in Untersuchungen an Menschen- und Mäuse-Herzen der Nachweis, dass Herz-Zellen, die für die elektrische Leitung zuständig sind, durch Bestrahlung von außen genetisch neu programmiert wurden. 

  • Zhang D, Nature Communications volume 12, Article number: 5558 (2021) 

Kommentar: Diese überraschenden Ergebnisse könnten in der Zukunft neue Therapie-Optionen für Patienten mit Herzrhythmus-Störungen eröffnen. Anstelle der nicht ganz Risiko-freien Katheter-Ablation könnte eine Bestrahlung von außen zu einer Beendigung der Arrhythmien führen. Allerdings sind noch zahlreiche Fragen, wie z.B. die Höhe der erforderlichen Strahlendosis zu klären.   


 

Anti-Diabetikum wider den Rhythmustod

 

Das Diabetesmittel Dapagliflozin (Forxiga®) hatte sich auch in einer Studie mit mehr als 4700 Herzschwäche-Patienten im Vergleich zu Placebo bewährt. Eine nachträgliche erweiterte Analyse dieser Studie ergab jetzt, dass das Risiko für bedrohliche Rhythmusstörungen aus den Herzkammern, wie z.B. sog. Kammer-Tachykardien oder plötzlicher Herztod (meist Kammerflimmern), bei Dapagliflozin-Behandlung um 21% geringer war. 

  • Curtain JP.  European Heart Journal, ehab560, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab560 

Kommentar: Dapagliflozin und vergleichbare Medikamente dieser Stoffgruppe wie z.B. Empagliflozin sind erst kürzlich als Medikamente der ersten Wahl (neben anderen) in Leitlinien zur Behandlung der Herzschwäche aufgenommen worden (siehe HERZ-NEWS-Beitrag "Neue Leitlinien: Erste Wahl bei Herzschwäche"). Die aktuelle Auswertung zeigt, dass ein wesentlicher Anteil der vorteilhaften Wirkung offensichtlich auf einer Verhinderung bedrohlicher Rhythmus-Störungen beruht. 


 

Schrittmacher mit oder ohne Kabel?

 

Bei konventionellen Schrittmachern (SM) wird das Aggregat (Batterie) unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Von dort wird ein Kabel über eine Vene in die rechte Herzkammer vorgeschoben und dort verankert. Danach wird das andere Ende des Kabels an das Aggregat angeschlossen. Seit einigen Jahren werden zunehmend auch sog. kabellose SM verwendet. Diese sind so miniaturisiert, dass sie über einen Katheter in der rechten Herzkammer implantiert werden können und somit kein Kabel benötigen. Als Nachteil des konventionellen SM gelten gelegentlich beobachtete Dislokationen (Verrutschen) der Sonde oder gar ein Kabelbruch. Dagegen ist bei kabellosen Schrittmachern nicht geklärt, wie am besten nach Ablauf der Batterie-Lebensdauer (etwa 10 Jahre) vorgegangen wird. Aktuell wurden die Komplikations-Raten der beiden SM-Typen bei rund 15.000 Patienten verglichen. Insgesamt bestand kein wesentlicher Unterschied. Mit dem kabellosem SM kam es etwas häufiger zu Perforationen (Verletzung der Herzwand) mit Herzbeutel-Erguss. Dafür waren in den ersten Monaten seltener Wiederholungs-Eingriffe als bei konventionellem SM erforderlich. 

  • Piccine J. JAMA Cardiol. Published online July 28, 2021. doi:10.1001/jamacardio.2021.2621 

Kommentar: Zur Absicherung der Ergebnisse sind größere randomisierte Studien erforderlich, bei denen die Therapie zufallsmäßig zugeteilt wird, wie beim Werfen einer Münze. Bis dahin können die oben beschriebenen Ergebnisse als Hilfestellung bei der Auswahl des im individuellen Fall best-geeigneten SM-Typs dienen.


 

Kaffee stört den Rhythmus nicht

 

Häufig besteht die Auffassung, dass Kaffee die Entstehung von Herzrhythmus-Störungen fördert. In einer aktuellen Untersuchung mit mehr als 380.000 Teilnehmern der UK-Biobank wurde über 4,5 Jahre der Zusammenhang zwischen Kaffee-Konsum und Auftreten von Herzrhythmus-Störungen untersucht. Pro Tasse täglichen durchschnittlichen Kaffee-Konsums konnte sogar eine geringe Abnahme des Risikos für Arrhythmien um 3% ermittelt werden.

  • Kim E. JAMA Intern Med. Published online July 19, 2021. doi:10.1001/jamainternmed.2021.3616 

Kommentar: Die Sorge vor der Begünstigung von Herz-Arrhythmien durch Kaffee scheint also unbegründet. Gleichwohl sollte Kaffee nicht als Mittel gegen Rhythmus-Störungen eingesetzt werden. Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei einzelnen Personen die Empfindung von Arrhythmien  nach Kaffee-Konsum zunimmt; dann sollte der Konsum trotz der obigen Ergebnisse natürlich eingeschränkt werden. Für weitere Informationen zu den Wirkungen von Kaffee siehe auch den früheren ausführlichen HERZ-NEWS-Beitrag "Kaffee und Koffein: Stand der Wissenschaft" im Abschnitt "Cholesterin-Ernährung". 


 

Neuer Schrittmacher kann sich selbst auflösen

 

Viele Patienten sind dauerhaft auf die Funktion eines Herzschrittmachers angewiesen. In diesen Fällen wir ein (oft auch zwei) Elektro-Kabel über eine Vene in das Herz vorgeschoben und dort verankert. Das andere Ende des Kabels wird mit dem Schrittmacher-Aggregat (Batterie) verbunden und unterhalb des Schlüsselbeins implantiert.

 

Schrittmacher oft nur vorübergehend nötig

Häufig ist ein Schrittmacher nur für einen begrenzten Zeitraum erforderlich, z.B. bei bestimmten Infektionen, nach Vergiftungen, Überdosierung von Medikamenten, nach Herzinfarkt oder operativen Eingriffen am Herzen. In diesen Fällen verbleibt das äußere Kabel-Ende außerhalb des Körpers und wird mit einem "externen" Schrittmacher verbunden. Wenn der Schrittmacher nicht mehr benötigt wird, kann das Kabel entfernt werden. Dennoch ergeben sich gelegentlich Komplikationen. So können über das Kabel Infektionen in den Körper gelangen, auch kann das Kabel durch Bewegungen verrutschen oder bei Entfernung Verletzungen hervorrufen.

 

Selbst-auflösender Schrittmacher

Im Rahmen eines aktuellen Forschungs-Projektes in Chicago wird ein Mini-Schrittmacher auf den Herzmuskel aufgebracht, der sich im Verlauf von einigen Wochen selbst wieder auflösen kann. Für diesen Schrittmacher werden nur geringste Mengen biokompatibler Materialien wie Magnesium oder Milchsäure benötigt. Die Energie wird drahtlos von einer Energiequelle außerhalb des Körpers zugeführt.

  • Choi Y. Nature biotechnology. https://doi.org/10.1038/s41587-021-00948-x

Kommentar: Bisher konnte der Schrittmacher erfolgreich in Tierversuchen getestet werden.  Klinische Studien sind in Vorbereitung. 


 

Kühlung nach Wiederbelebung ohne Nutzen

 

Bei komatösen Patienten nach erlittenem Herzstillstand und Wiederbelebung hatte sich in den letzten Jahren zunehmend das zeitweise Herunterkühlen der Körper-Temperatur als Therapie-Standard durchgesetzt. Hierdurch sollten die langfristigen Überlebens-Chancen verbessert und neurologische Schäden vermindert werden. Das Absenken der Körper-Temperatur durch kühlende Infusionen oder Kühlmatten hatte in kleineren Studien ermutigende Ergebnisse gezeigt. In einer aktuell großen Studie mit 1900 Patienten wurde nun dieses Konzept überprüft. Nur eine Hälfte der Patienten erhielt randomisiert (zufallsmäßige Auswahl, wie beim Werfen einer Münze) die Kühlungs-Therapie (Ziel-Temperatur 33 Grad für 28 Stunden), die andere Hälfte der Patienten nicht. Nach 6 Monaten fand sich weder ein Unterschied in puncto Überleben, noch in Bezug auf neurologische Funktions-Störungen. Ernste Rhythmus-Störungen waren als Nebenwirkung deutlich häufiger bei Patienten mit Kühlungs-Therapie aufgetreten. 

  • Dankiewicz J. N Engl J Med 2021; 384:2283-2294.June 17, 2021DOI:10.1056/NEJMoa2100591

Kommentar: Das völlige Fehlen eines positiven Effektes durch die Kühlungs-Maßnahmen bedeutet einen herben Rückschlag für dieses Behandlungs-Konzept. Es bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Ergebnisse in den nächsten Leitlinien-Empfehlungen niederschlagen. 


 

Säure-Blocker können Herzrhythmus stören

 

Sog. Protonen-Pumpen-Hemmer (engl. Abkürzung PPI) werden als Säureblocker vielfach zur Behandlung und Vorbeugung von Sodbrennen oder Magen-Geschwüren eingesetzt. Schon in der Vergangenheit war gelegentlich über ein höheres Risiko für Herzrhythmus-Störungen berichtet worden. Bisher wurde dies darauf zurückgeführt, dass die Medikamente den Magnesium-Spiegel im Blut senken. In einer aktuellen Untersuchung ergeben sich aber Hinweise, dass unabhängig davon die QT-Zeit (ein bestimmter Abschnitt in der EKG-Kurve) verlängert werden kann. Medikamente, die die QT-Zeit verlängern, können gelegentlich ernste Rhythmus-Störungen verursachen.

  • Lazzerini PE et al. Circ Arrhythmia and Electrophysiology; DOI: https://doi.org/10.1161/CIRCEP.121.010042

Kommentar: PPI sind sehr segensreiche Medikamente, sollen aber nicht länger als nötig eingesetzt werden. Bei erforderlicher langfristiger Therapie sollte gelegentlich der Magnesium-Spiegel bestimmt werden und ein EKG geschrieben werden, damit evtl. Veränderungen rechtzeitig erkannt werden. Auch ist Vorsicht geboten, wenn noch andere Medikamente erforderlich werden, die ebenfalls als Nebenwirkung die QT-Zeit verlängern. 


Kein "Joint" für Herz-Patienten

 

Aus einer US-Datenbank wurden rund 2,4 Millionen Konsumenten von Cannabis-Produkten ausgewählt, die stationär behandelt werden mussten. Das Sterberisiko im Verlauf des Krankenhaus-Aufenthaltes war bei Patienten mit Herzrhythmus-Störungen etwa 4,5-mal höher als bei denen ohne Rhythmusstörungen.

  • Thangjui S. EHRA-Kongress, 23. bis 25. April 2021. ESC-Pressemitteilung

Kommentar: Es mehren sich Hinweise schädlicher Einflüsse von Cannabis-Konsum auf das Herzkreislauf-System. Betroffene sollten auch unter diesem Gesichtspunkt den Drogen-Konsum überdenken. Ärzte sollten bei Patienten mit bekanntem Marihuana-Konsum verstärkt nach Rhythmusstörungen suchen und ggf. die Problematik thematisieren. 


 

Handy kann Defi lahmlegen

 

Bei Patienten mit lebensgefährlichen Rhythmus-Störungen wie Kammerflimmern oder ventrikulären Tachykardien wird ein sog. Defibrillator (kurz Defi oder ICD) implantiert. Dieser kann den bedrohlichen schnellen Herzschlag erkennen und durch Abgabe eines Elektroschocks beenden. Die lebensrettende Funktion kann durch elektromagnetische Felder, die von externen elektrischen oder elektronischen Geräten ausgehen, gestört werden. Forscher in Detroit (USA) konnten jetzt nachweisen, dass ein implantierter Defibrillator an der Schockabgabe gehindert wird, wenn das iPhone-12 (Apple) auf der Haut direkt über dem Defi positioniert wird. Dies konnte bei mehrfach wiederholten Versuchen und unterschiedlichen Positionen des Smartphones reproduziert werden. Bisher wurde das Risiko von Störungen implantierter Rhythmus-Geräte durch Smartphones als sehr gering eingeschätzt. Die Forscher vermuten, dass der im iPhone-12 verbaute relativ starke Magnet für das vorübergehende Lahmlegen der Defi-Funktion verantwortlich sein könnte.  

  • Greenberg J et al. Published: January 04, 2021DOI:https://doi.org/10.1016/j.hrthm.2020.12.032
  • Heutzeroth T. Welt, 25.1.2021

Kommentar: Apple bezweifelt, dass die neuen iPhone-Modelle ein höheres Risiko als frühere Modelle darstellen. Gleichwohl reagiert der Hersteller mit der Empfehlung, einen Abstand von mindestens 15 Zentimeter einzuhalten, während des drahtlosen Aufladens sollte dieser Abstand mindestens verdoppelt werden. In jedem Fall sollten Patienten mit Defibrillator ihr Smartphone nicht in der linken Hemdtasche oder Brusttasche des Sakkos tragen. Da Schrittmacher im Gegensatz zu Defis meist im rechten oberen Brustbereich implantiert werden, empfiehlt sich für Schrittmacher-Träger sicherheitshalber, das Tragen auf der rechten Seite zu vermeiden.  


 

Herzstillstand – Lebensrettung durch Drohnen

 

Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. Je früher Wiederbelebungs-Maßnahmen einsetzen, umso größer sind die Überlebens-Chancen der Betroffenen. Trotz vielerorts gut ausgebauter Rettungssysteme vergehen oft wertvolle Minuten, bis professionelle notärztliche Hilfe den Patienten erreichen kann. Besondere Bedeutung kommt in dieser Situation dem raschen Beginn der Reanimation durch Laien zu. So früh wie möglich sollte auch ein Defibrillator eingesetzt werden, um das meist vorliegende Kammerflimmern durch einen Elektroschock von außen zu beenden.

In den USA wurden auf einem Universitätsgelände an fünf verschiedenen Orten Test-Puppen platziert. Von jeweils zwei vor Ort anwesenden Studenten, setzte der eine einen Notruf ab, um eine Drohne mit Defibrillator anzufordern, während der andere versuchte, einen automatischen Defibrillator auf dem Universitäts-Gelände zu finden. Die Drohne war in allen Fällen innerhalb von 2-2,5 Minuten in der Lage, mittels GPS-Technik nur wenige Meter neben der jeweiligen Test-Puppe sicher zu landen. Die Suche nach einem Defibrillator auf dem Gelände dauerte dagegen bis zu 4 Minuten. Die Defibrillation konnte bei Drohnen-Unterstützung in allen Fällen innerhalb von 4-5 Minuten erfolgen, während ohne Drohne ein Zeitraum von 4-8 Minuten benötigt wurde.

  • Rosamond WD et al. N Engl J Med. 2020 Sep 17;383(12):1186-1188. doi: 10.1056/NEJMc1915956.PMID: 32937053 
  • Brooks M, Medscape Medical News 23.9.2020

Kommentar: Auf dem Universitätsgelände waren mit zahlreichen stationären Defibrillatoren besonders günstige Bedingungen gegeben. Eine solche Geräte-Dichte ist in den meisten Regionen nicht vorhanden und wird sich auch in Zukunft kaum realisieren lassen. Das Konzept des Drohnen-Transports erscheint daher vielversprechend. Insbesondere in entlegenen oder schwer erreichbaren Gegenden (z.B. Verkehrsstau) könnte der Einsatz von Drohnen die Laien-Reanimation unterstützen.


 

Ablation überzeugt bei Herzschwäche mit Vorhofflimmern

 

Vorhofflimmern tritt häufig bei Patienten mit bestehender Herzschwäche auf. In vielen Untersuchungen wurde die Beseitigung des Vorhofflimmerns durch eine sog. Katheter-Ablation (Verödung durch Hitze oder Kälte) und Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus mit einer rein medikamentösen Therapie verglichen. Eine zusammenfassende Analyse von ca. 1100 Patienten zeigt eine deutlich geringere Sterberate, eine geringere Rate an Krankenhaus-Behandlungen und auch einen Trend zu einer geringeren Schlaganfall-Rate bei Patienten mit Ablations-Behandlung. Darüber hinaus konnte der normale Herzrhythmus häufiger durch die Ablation erhalten und die Herzfunktion verbessert werden. 

  • Chen S et al. Eur Heart J. 2020 Aug 7;41(30):2863-2873. doi: 10.1093/eurheartj/ehz443. 

Kommentar: In früheren Studien war bei Patienten mit bereits weit fortgeschrittener Herzschwäche kein Vorteil für die Ablation nachweisbar. Zu dieser Thematik müssen die Ergebnisse weiterer Studien abgewartet werden. 


 

Kann man auch mit Schrittmacher am Lebensende "friedlich einschlafen"? 

 

Oder schlägt das Herz einfach immer weiter? Diese Frage beschäftigt viele Patienten, die Träger eines Herzschrittmachers sind. Ein aktueller Newsletter der Deutschen Herzstiftung greift diese Sorge auf. Der Herz-Experte PD Dr. Gerian Grönefeld erläutert, dass der Schrittmacher elektrische Impulse an das Herz abgibt, um es zum Schlagen anzuregen. Bei schwerer Herzschädigung wie bei einem großen Herzinfarkt oder einer Herzschwäche im Endstadium kann das Herz auf die elektrischen Impulse des Schrittmachers aber nicht mehr reagieren, sodass das Herz ganz natürlich stehen bleiben kann. In der Palliativ-Phase bei einem schweren Tumorleiden kann es in Einzelfällen sinnvoll sein, in Absprache den Schrittmacher zu deaktivieren. Nach dem Tod muss der Schrittmacher in einem kleinen Eingriff entfernt werden, da die Metall-/Batterie-Bestandteile des Schrittmachers nicht in das Erdreich gelangen dürfen. Die Organisation dieser Maßnahme übernimmt das beauftragte Bestattungs-Institut. 

 

  •  Newsletter, Deutsche Herzstiftung (redigiert)

 

Reanimationen häufiger und erfolgloser in Corona-Zeiten

 

Auch das New Yorker Rettungs-System berichtet über einen starken Anstieg von Fällen mit plötzlichem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses während der Corona-Pandemie. Vom 1.3. bis 25.4.2020 wurden im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum etwa 3 x so viele Rettungs-Einsätze mit Wiederbelebungs-Versuchen durchgeführt (47,5/100.000 im Vergleich zu 15,9/100.000 Einwohner). Auch waren die Erfolgs-Aussichten der Wiederbelebungs-Versuche geringer als im vergangenen Jahr.

  • Lai PH et al. JAMA Cardiology 2020 Jun 19;e202488.doi:10.1001/jamacardio.2020.2488. Online ahead of print.
  • Phend C. MedPage Today 23.6.20

Kommentar: Erst kürzlich (siehe unten) wurde über ähnliche Beobachtungen aus Paris und der Lombardei berichtet. Ursächlich dürfte der größte Teil der Patienten an Herzinfarkten, Lungenembolien und Schlaganfällen verstorben sein. Die Neigung zu einer verstärkten Blutgerinnung durch COVID-19 kann hierfür mit-verantwortlich sein. Leider ist ein wesentlicher Anteil der Todesfälle wohl darauf zurückzuführen, dass Patienten nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Hierauf weisen vielfache Meldungen hin, in denen über einen deutlichen Rückgang von Patienten mit Herzinfarkt und Schlaganfall bei den Krankenhaus-Aufnahmen berichtet wird. Bei rechtzeitiger Behandlung könnte einem großen Teil der Patienten geholfen werden. Wie mehrfach ausgeführt, überwiegt das Risiko bei Herzinfarkt  oder Schlaganfall das Risiko einer Corona-Infektion um ein Vielfaches. Bei Hinweisen auf ernste Erkrankungen sollten Patienten daher nicht zögern, den Notruf 112 in Anspruch zu nehmen. Bereits mit dem Eintreffen des Notarztes erhöhen sich die Überlebens-Chancen erheblich. 


 

Ablation bei Vorhofflimmern hält länger

 

In vielen Fällen kann durch eine sog. Katheter-Ablation (Verödung von Gewebe) Vorhofflimmern beseitigt werden. In der CABANA-Studie war die Ablation mit einer rein medikamentösen Rhythmus-Therapie verglichen worden. Eine aktuelle Auswertung von 1240 Patienten zeigt, dass im Langzeitverlauf über 5 Jahre nach Ablation etwa 50% weniger erneute Vorhofflimmer-Episoden (Rezidive) auftraten.  

  •  Poole JE et al. JACC Volume 75, Issue 25, June 2020.DOI: 10.1016/j.jacc.2020.04.065

Kommentar: Trotz der deutlich geringeren Rezidiv-Rate war in der Gesamt-Studie kein wesentlicher Unterschied im Hinblick auf Sterbe- oder Schlaganfall-Risiko zwischen Ablations-Behandlung und  medikamentöser Therapie nachgewiesen worden. Insbesondere für Patienten, die das Vorhofflimmern als unangenehm empfinden (sog. symptomatisches Vorhofflimmern), scheint die Ablation von Vorteil zu sein. 


 

Magnet-Stimulation stoppt Herzrasen

 

Eine bedrohliche und schwer behandelbare Rhythmus-Störung ist das in rascher Folge immer wiederkehrende Herzrasen aus den Herzkammern (ventrikuläre Tachykardie). Diese als "elektrischer Sturm" bezeichnete Rhythmus-Störung wird durch das sog. Sympathische Nervensystem begünstigt. Die Fasern dieses Nervensystems verlaufen vom Gehirn über das Rückenmark zum Herzen und können dort den Herzrhythmus beeinflussen. Bei 5 Patienten mit elektrischem Sturm wurde aktuell eine sog. transkutane Magnet-Stimulation (TCMS) über 60 Minuten durchgeführt. Die Stimulation des Nervensystems erfolgte dabei von außen im unteren hinteren Halsbereich. Während in den 24 Stunden vor der Magnet-Stimulation 99 anhaltende Attacken von Herzrasen auftraten, waren es nur noch 5 in den folgenden 48 Stunden. Vor Magnet-Stimulation mussten 41 Elektroschock-Behandlungen durchgeführt werden, in den 48 Stunden danach war keine mehr erforderlich. 

  • Markman TM et al. JAMA. 2020;323(21):2200-2202. doi:10.1001/jama.2020.3833
  • Edwards S, Medscape 9.6.2020

Kommentar: Gerade für die Notfall-Situation könnte damit eine nicht-invasive Therapie rasch zur Verfügung stehen. Die bisherigen sehr vielversprechenden Ergebnisse lassen allerdings noch zahlreiche Fragen offen. Unter anderem muss geklärt werden, wie lange der Effekt der Magnet-Stimulation anhält. Ansonsten sind für die Zukunft vielfältige Anwendungen denkbar, z.B. auch die Implantation entsprechender Geräte und der Einsatz auch bei anderen Formen von schnellen Rhythmus-Störungen. 


 

Plötzlicher Herz-Stillstand doppelt so häufig während Pandemie 

 

In Paris wurden Rettungs-Einsätze während der Corona-Pandemie-Wochen untersucht und mit den entsprechenden Zeiträumen der vorhergehenden Jahre verglichen. In den Wochen 13 und 14  fiel aktuell eine Verdoppelung von Fällen mit plötzlichem Herzstillstand außerhalb einer Klinik von 13,4 auf 26,6 pro eine Million Einwohner auf. Auch nahm die Erfolgsrate der Wiederbelebungen in diesem Zeitraum ab. Nur für einen Teil der Pariser Fälle wird ein direkter Zusammenhang mit einer akuten Corona-Infektion vermutet. Auch indirekte Faktoren, wie z.B. die Vermeidung von Operationen oder Arztbesuchen im Rahmen des "Lockdowns" könnten zu diesem  Befund beigetragen haben. In den folgenden Wochen normalisierte sich die Zahl der plötzlichen Herztode wieder. Dies wird mit einer Reorganisation der Notfall-Systeme erklärt, die einen besseren Zugang für Patienten zu medizinischer Beratung und Versorgung gewährleisten. Auch in Italien (Lombardei) war im Rahmen der Corona-Pandemie ein Anstieg von Fällen mit plötzlichem Herzstillstand außerhalb der Klinik beobachtet worden.

  • Marijon E et al. Lancet. OpenAccessI:https://doi.org/10.1016/S2468-2667(20)30117-1
  • DocCheck News 29.5.20

Kommentar:  In diesem Kontext soll noch einmal daran erinnert werden, dass die Risiken eines Herzinfarktes mit drohendem Herzstillstand oder anderer ernster Erkrankungen ungleich schwerer wiegen als die Risiken einer Corona-Infektion. Bei unklaren Beschwerden sollte rechtzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden. Siehe hierzu auch der Beitrag "Selbstmord aus Angst vor Corona" im Abschnitt "Herzinfarkt/KHK".


 

Bestrahlung gegen Rhythmus-Störungen

 

Bei bedrohlichen Herzrhythmus-Störungen wie sog. ventrikulären Tachykardien (Ursprung in den Herzkammern) kommt neben Medikamenten häufig eine Ablation zur Anwendung. Dabei wird mit einem Katheter der Ort an der Innenseite der Herzkammerwand aufgesucht, der für die Arrhythmie verantwortlich ist. Durch Applikation von Hitze an der Katheter-Spitze wird dieses Areal verödet. Nicht immer ist das Verfahren dauerhaft erfolgreich. Aktuell wird über die Anwendung einer Strahlentherapie von außen bei 19 Patienten mit schwer behandelbarer Herzrhythmus-Störung berichtet. Mit einer einzelnen Bestrahlung (Dauer etwa ¼ Stunde) konnte eine deutliche Verbesserung der Arrhythmien erreicht werden, bei nur geringen Nebenwirkungen.

  • Weiss P. Heart Rhythm Society Scientific Session 2020
  • Cardiologytoday, 9.5.2020

 Kommentar. Das Verfahren der sog. Radio-Ablation zeichnet sich durch Nicht-Invasivität aus. Ein Herzkatheter ist nicht erforderlich. Auch kann die gesamte Herzwand mit der Bestrahlung erreicht werden. Für den Katheter sind manche, tief in der Herzmuskulatur gelegene Areale, nicht zugänglich. Zumindest für Patienten, bei denen bisherige Therapie-Strategien versagt haben,  eröffnet sich hiermit möglicherweise  eine neue vielversprechende Behandlungs-Option. 


 

Neue Option zur kardialen Resynchronisations-Therapie

 

Bei Patienten mit Herzschwäche und Störung der elektrischen Erregung des Herzens hat sich die sog. Kardiale Resynchronisations-Therapie (CRT) bewährt. Durch einen Schrittmacher, der gleichzeitig die rechte und linke Herzkammer elektrisch stimuliert, kann in vielen Fällen eine verbesserte Herzfunktion mit besserer Leistungs-Fähigkeit der Patienten erreicht werden. Hierzu ist  das Einbringen jeweils einer Elektrode für die rechte und für die linke Herzkammer erforderlich. Ein Teil der Patienten ist jedoch nicht geeignet für die Therapie oder spricht auf diese Therapie nicht an. In der aktuellen Untersuchung wurde jetzt die Schrittmacher-Stimulation nur in der Nähe des linken Schenkels des Erregungs-Leitungs-Systems getestet. Mehr als 70% von 325 Patienten zeigten eine positive Reaktion mit verbesserter Herz-Leistung und Abnahme von Luftnot-Beschwerden. 

  • Vijayaraman P et al. Heart Rhythm Society (HRS) 2020 Scientific Sessions, presented May 8, 2020
  • Stiles S. Medscape Medical News 13.5.2020 

Kommentar: Die Stimulation nur des linken Schenkels des Leitungs-Systems erscheint für geeignete Patienten als mögliche Alternative zum klassischen biventrikulären Pacing (elektrische Stimulation beider Herzkammern). Als weitere Option war in der Vergangenheit schon die elektrische Erregung des His-Bündels (Abschnitt vor Aufteilung in linken und rechten Schenkel des Erregungs-Leitungs-Systems) getestet worden. Dieses Verfahren ist aber technisch anspruchsvoller, sowie mit einem höheren Stromverbrauch und damit kürzerer "Lebens-Dauer" der Batterie verbunden, sodass es noch keine weite Verbreitung gefunden hat.   


 

E-Zigarette kann Schrittmacher- oder  Defi-Funktion stören

 

Häufig sind in E-Zigaretten Magnete verbaut. Wird die E-Zigarette z.B. in der Hemd-Brusttasche  getragen, so kann bei Patienten mit implantiertem Schrittmacher oder Defi (ICD) die räumliche Nähe zu Fehlfunktionen des elektronischen Medizingerätes führen. Erstmals wurde eine solche Beeinflussung der Programmierung eines Defibrillators jetzt bei einem Patienten in Boston (USA) beobachtet. Wenn auch im konkreten Fall  kein Schaden entstanden ist, so wird von den behandelnden Ärzten aber gewarnt, dass u.U. bedrohliche Rhythmus-Störungen von den elektronischen Geräten nicht mehr erkannt und behandelt werden können. 

 

Quelle: Julie Shea et al. March 16, 2020, HeartRhythm Case Reports

 

Kommentar: Dies ist der wohl erste beschriebene Fall einer möglichen Beeinflussung von implantierten Rhythmus-Aggregaten durch E-Zigaretten. Im Hinblick auf die weite Verbreitung von  E-Zigaretten und die zunehmende Zahl von Personen mit implantierten Rhythmus-Geräten verdient diese Mitteilung besondere Beachtung. Eine mögliche Beeinträchtigung von Kreditkarten oder die Umschaltung von PCs in den Schlafmodus durch E-Zigaretten war bereits bekannt.  Prinzipiell sollten E-Zigaretten von den gefährdeten Personen nicht in der Hemd-Brusttasche getragen werden, bzw. sollte nach Meinung der Autoren immer ein Sicherheits-Abstand von mindestens 15 cm zu dem implantierten Aggregat eingehalten werden, um elektromagnetische Interferenzen zu vermeiden.


 

Eingeschränkte Fahreignung nach ICD-Implantation oft nicht beachtet

 

In einer dänischen Studie wurde untersucht,  wie Patienten sich bei Einschränkungen der Fahreignung nach Implantation eines ICD (implantierbarer Defibrillator) verhalten. Ein ICD wird implantiert,  um eventuelle  lebensbedrohliche Rhythmus-Störungen durch eine Schock-Abgabe automatisch zu  beenden und so das Risiko für einen plötzlichen Herztod zu  verringern.   Da Rhythmus-Störungen aber weiterhin jederzeit auftreten können,  auch nach Implantation eines  Gerätes,  und in der Folge Bewusstseins-Störungen bis hin zur Ohnmacht auftreten können,  stellt sich die Frage nach der Fahreignung. Diese ist in der Regel für einen begrenzten Zeitraum nach der Implantation eingeschränkt.  Bei einer  aktuell in Dänemark durchgeführten Fragebogen-Aktion,  hatten jetzt mehr als 30% der Befragten  angegeben,  sich nicht an diese Einschränkungen gehalten zu haben.  Häufig gaben die Teilnehmer auch an, nichts von der eingeschränkten Fahreignung  gewusst zu haben.

Quelle: Bjerre J ; ESC -Congress 2019 Paris. ESC  Presse-Mitteilung 9/2019

 

Kommentar: Die Nicht-Beachtung  von Empfehlungen zur eingeschränkten Fahreignung  kann bedrohliche Folgen für die Betroffenen selbst aber auch z.B. für andere Verkehrs-Teilnehmer haben sowie rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.  Es ist Aufgabe des betreuenden Arztes, im Rahmen einer ICD-Implantation über Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit aufzuklären. Dies war bei der aktuellen Studie möglicherweise nicht regelhaft erfolgt.  Auch kann nicht  ausgeschlossen werden, dass Patienten unter dem Stress der meist bedrohlichen Akut-Erkrankung Hinweise zur Fahreignung nicht adäquat wahrgenommen hatten. Daher sollte die Aufklärung möglichst auch unter Einbindung nächster Angehöriger oder wiederholt erfolgen und schriftlich dokumentiert werden. Im nachfolgenden Beitrag werden Eckpunkte  zum Thema Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen  dargestellt.


 

Empfehlungen zur Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen

 

Aus aktuellem Anlass (siehe obiger Beitrag )  werden hier Eckpunkte zum Thema Fahreignung von Privatfahrern bei Herz-/Kreislauf-Erkrankungen unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben sowie der Stellungnahmen von Fachgesellschaften dargestellt. Für Berufs-Kraftfahrer (u.a. Busfahrer, Taxifahrer) gelten in der Regel deutlich strengere Beschränkungen,  die im Einzelfall zu klären sind. Für die wichtigsten Krankheitsbilder / Maßnahmen beziehen sich die folgenden Angaben zur Fahrtauglichkeit auf Privatfahrer. 

 

Erkrankung / Maßnahme                                                                     Fahreignung

 

-ICD (Defibrillator)                                                                 

  - ICD-Implantation  (Primär-Prävention)                                        nach 1-2 Wochen

  - ICD-Implantation  (Sekundär-Prävention)                                   nach  3 Monaten

  - Nach adäquatem Schock                                                              meist nach 3 Monaten

  - Nach inadäquatem Schock                                                           nach Behebung der Ursache

  - Nach Aggregat-Wechsel                                                                nach 1 Woche

 

Bei denjenigen, die bereits eine lebensbedrohliche Rhythmus-Störung überlebt haben, erfolgt die Implantation im Sinne einer sog. Sekundär-Prävention.  Bei anderen Patienten besteht, meist aufgrund einer Herzschwäche, ein hohes Risiko für das Auftreten solcher Arrhythmien. In diesen Fällen erfolgt die Implantation vorbeugend im Rahmen der sog. Primärprävention.  Ein adäquater Schock wird aufgrund einer vom Gerät richtig erkannten bedrohlichen Rhythmus-Störung abgegeben. Einem inadäquaten Schock liegt eine meist harmlosere Rhythmus-Störung zugrunde, die vom Gerät fälschlicherweise  als bedrohlich eingestuft wird. 

 

-Nach Schrittmacher-Implantation                                                     meist ja 

oder Batterie -Wechsel     

                                               

-Kardiale Synkope                                                                                  Nein,  bis Therapie 

-Nach erster nicht kardialer Synkope                                                  meist  Ja  

-Wiederholte unklare Synkope                                                             nach  6 Monaten

  

-Herzschwäche ohne Luftnot in Ruhe                                                Ja

-Herzschwäche mit Luftnot in Ruhe                                                   Nein

 

-Nach Bypass-OP                                                                                   nach  2-4  Wochen

-Nach Koronarintervention (Stent)                                                     Ja

 

-Nach Herzinfarkt, unkompliziert                                                        Ja

-Nach Herzinfarkt, schlechte Herzleistung                                       meist nach 4 Wochen

 

-Nach Herzklappen-OP                                                                         nach  2-4  Wochen

 

-Vorhofflimmern ohne Synkope                                                          Ja 

     

 Die hier genannten pauschalen Richtwerte sind immer unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten des Einzelfalls anzupassen.

Quelle: Jung W et al. Herz 2018. 43: 367-380

 

Kommentar: Insgesamt werden nur etwa 0,1% aller Unfälle, aber etwa 2-3% der tödlichen Unfälle auf medizinische Gründe zurückgeführt. Neben Herzerkrankungen stehen dabei neurologische Krankheitsbilder wie die Epilepsie aber auch andere Erkrankungen wie z.B. der Diabetes mellitus im Vordergrund. Nicht selten kommt es aus völliger Gesundheit, plötzlich  und unvorhergesehen,  zum Auftreten z.B. eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls.  Nur bei bereits bekannter Erkrankung können Vorsichts-Maßnahmen im Sinne von Einschränkungen der Fahreignung getroffen werden.  Die Nicht-Beachtung von Empfehlungen zur eingeschränkten Fahreignung kann bedrohliche Folgen für die Betroffenen selbst aber auch z.B. für andere Verkehrs-Teilnehmer haben sowie rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist Aufgabe des jeweils betreuenden Arztes, über Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit aufzuklären. Die Aufklärung sollte ggf. wiederholt, auch unter Einbindung nächster Angehöriger, erfolgen und schriftlich dokumentiert werden.


 

Schutz vor Wundinfektion nach Schrittmacher-Implantation

 

Bei 1-2% der Patienten kommt es nach Implantation eines Schrittmachers oder Defibrillators zu einer Wundinfektion. In einer weltweiten Studie bei mehr als 7000 Patienten wurde untersucht, ob die Infektions-Rate verringert werden kann, wenn das implantierte Gerät in ein Netz eingehüllt ist, das  mit Antibiotika getränkt (imprägniert) ist. Die Patienten wurden den zwei Therapie-Gruppen (mit oder ohne Netz) randomisiert zugeteilt ( wie beim Werfen einer Münze). Nach einem Jahr waren in  der Gruppe mit Antibiotika-Netz 25 und in der Gruppe ohne Netz 42 Fälle einer  Infektion aufgetreten. 

Quelle: Tarakji K et al. NEJM 2019; 380:1895-1905

 

Kommentar: Die Wundinfektion nach Schrittmacher- oder Defibrillator-Implantation ist eine gefürchtete Komplikation,  die in der Regel die Explantation des Gerätes und längere Antibiotika-Therapie erfordert.  Zu einem späteren Zeitpunkt muss dann eine Neu-Implantation erfolgen.   Der Unterschied  zwischen den Behandlungs-Gruppen bezüglich der Infektions-Rate war nach statistischen Kriterien  gerade  so groß,  dass ein rein zufallsmäßiges Ergebnis unwahrscheinlich ist.


 

Störung von Herzschrittmachern / Defibrillatoren durch externe Geräte  

 

Für Schrittmacherträger bzw. Träger von sogenannten Defibrillatoren (ICD) stellt sich häufig die Frage nach möglichen Störeinflüssen durch elektrische oder elektronische Geräte. Die von diesen Geräten verursachten elektrischen, magnetischen oder elektro-magnetischen Felder können im ungünstigen Fall zu Fehlfunktionen des Schrittmachers oder Defibrillators führen. Auch statische Magnetfelder können durchaus Fehlfunktionen der Implantate verursachen. 

 

Mögliche Beeinträchtigungen durch elektro-magnetische Felder

Es können Beschwerden wie Leistungsschwäche oder Schwindel hin zu Ohnmachts-Anfällen ausgelöst werden. Bei Defibrillatoren können unangemessene ( medizinisch nicht erforderliche) Schock-Abgaben resultieren. Eine bleibende Schädigung der implantierten Geräte, sowie die Erwärmung von metallischen Komponenten der Implantate mit thermischen Schädigungen des umgebenden Körper-Gewebes sind unter besonderen Bedingungen möglich.  Ernste Beeinträchtigungen treten insgesamt aber nur sehr selten auf.

 

Wo droht Gefahr?  Aktuelle Experten-Meinung 

Zu dem Themen-Komplex einer möglichen elektromagnetischen Interferenz (EMI) mit implantierten Herzschrittmachern bzw. Defibrillatoren liegt eine aktuelle Stellungnahme der deutschen Gesellschaft für Kardiologie im Konsens mit der deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin vor.

Danach besteht bei der Nutzung von Mobil-Telefonen und Smartphones einschließlich deren Internetfunktion nur ein geringes Risiko. Ein früher empfohlener Abstand von 15 cm ist zwar sicher effektiv, aber nach der aktuellen Empfehlung nicht generell erforderlich. Lediglich bei direktem Kontakt des Handys über dem Hautareal des Implantats war eine Störung beschrieben worden. Zu induktiven Mobiltelefon-Ladestationen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger einen Mindestabstand von 10 cm einhalten.  MP3-Player und sog. iPods können ohne Risiko benutzt werden. Da in Kopfhörern und Lautsprechern Dauermagnete verbaut sind, können hierdurch Störungen entstehen. Sie sollten daher nicht direkt über dem implantierten Schrittmacher / ICD-Gerät  positioniert werden.  Dies gilt auch für andere Geräte, in denen Permanent-Magnete verbaut sind wie z.B. Tablets, Notebooks oder Akku-Bohrmaschinenohrmaschinen.  Diebstahl-Sicherungen in den Ein- und Ausgangs-Bereichen von Kaufhäusern sollten Patienten rasch durchschreiten und sich nicht unnötig lange in dem elektromagnetischen Feld aufhalten. Zu sogenannten RFID-Scannern (Radiofrequenz-Identifizierung) bei Diebstahlsicherungen in Kaufhäusern oder zum kontaktlosen Bezahlen sollte sicherheitshalber ein Abstand von 60 cm  eingehalten werden.                                                     

(Die RFID-Technologie wird auch eingesetzt bei Lesegeräten für Reisepässe, an Mautstellen oder Fahrkarten-kontrollen für öffentliche Verkehrsmittel, bei der Kontrolle von Ski-Pässen, sowie bei der Zugangssicherung von Gebäuden oder Parkplätzen. Dagegen verwenden Barcode-Lesegeräte sichtbares Licht und stellen keine wesentliche Gefährdung durch elektromagnetische  Felder dar. Auch die an Flughäfen eingesetzten Körperscanner, die sog. Millimeter-Wellen nutzen, sind für Schrittmacher- und ICD-Träger sicher. Die Redaktion).                                                             Elektrofahrzeuge und  Hybridfahrzeuge können problemlos genutzt werden.  Auch für die Reise mit dem Flugzeug oder der Bahn gelten keine Einschränkungen im Hinblick auf die implantierten Medizin-Geräte. Metalldetektoren in Form eines Torbogens oder auch handbetriebene Detektoren, wie sie z.B. an Flughäfen im Einsatz sind, sind nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden.  (Allerdings sollte ein unnötiges Verweilen in der Nähe des Torbogens vermieden werden, die Hand-Detektoren sollen nicht in schneller Folge hintereinander über das Gerät geführt werden.  Auch kann ein Alarm-Signal des Implantates ausgelöst werden. Sicherheitshalber empfiehlt sich immer, den Schrittmacher-Ausweis /Geräte -Ausweis bei der Personen-bzw. Sicherheits-Kontrolle vorzuzeigen. Häufig wird dann auf  den Einsatz  betreffender Geräte verzichtet . Die Redaktion )                                                                                                                                                              Elektrische  Geräte des  Alltags, insbesondere im Haushalt, können teilweise relevante elektromagnetische Felder erzeugen und sollten  mit einer Unterarmlänge Abstand vom Brustkorb verwendet werden. In der aktuellen Stellungnahme wird  auch auf eine Empfehlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung aus dem Jahr 2012 verwiesen. In dieser wird für die Geräte zur Körperpflege wie Fön, Rasierapparat, elektrische Zahnbürste etc. eine mögliche Interferenz erst bei Unterschreiten eines Abstandes von 5 cm gesehen. Auf eine ordnungsgemäße Erdung von elektrischen Geräten sollte immer geachtet werden. Defekte Haushaltsgeräte sollten nicht betrieben werden. Korrekt installierte Stromleitungen im Haus stellen keine Gefährdung dar.

Bei Induktionsherden sollte ein Sicherheitsabstand von 25 cm zwischen Implantat und Herd eingehalten werden. Patienten sollten sich nicht über die Kochplatte beugen. Gegen eine normale Benutzung des Herdes bestehen aber keine Einwände.                                                                           Für sog. Körperfettwaagen und andere Bioimpedanz-Messungen liegen aktuell keine ausreichenden Daten vor, so dass eine sichere Risikoeinschätzung noch nicht möglich ist. Sicherheitshalber sollten daher Körperfettwaagen von Patienten mit implantiertem Herzschrittmacher/Defibrillator ohne suffizienten Eigenrhythmus gemieden werden. Auch Bioimpedanz-Messungen von Arm zu Arm sollten unterbleiben.

Bei magnetischen Namensschildern, Schmuck oder Plaketten sollte  ein Sicherheits-abstand von  5 cm eingehalten werden.                                                                                                  Hochspannungsleitungen oder Erdkabel können ohne Risiko unter- bzw. überquert werden.

 

Allgemeine-Empfehlungen

Für die Verwendung elektrodenfreier Herzschrittmacher oder rein subcutan implantierter Defibrillatoren liegen noch keine ausreichenden Untersuchungen vor. Sog. MRT-fähige Schrittmacher sind entgegen verbreiteter Meinung nicht besser gegen EMIs geschützt als herkömmliche Schrittmacher. Generell gilt das Einhalten eines Sicherheits-Abstands zur elektromagnetischen Quelle als wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von elektro-magnetischen Interferenzen (EMI). Dementsprechend sollten Patienten Gefährdungs- Bereiche meiden oder bei Zwischenfällen / Beschwerden so schnell wie möglich verlassen. Ggf. sollten Hilfspersonen Patienten dabei unterstützen. Für berufliche Expositionen z.B. bei Tätigkeiten im Umfeld von Generatoren,Transformatoren, Notstrom-Aggregaten oder Schweiß-Arbeiten u.a. sollte jeweils eine individuelle arbeitsmedizinische und kardiologische Risiko-Beurteilung erfolgen.

Quelle: Napp  A  et al. Elektromagnetische Interferenz von aktiven Herzrhythmus-Implantaten im Alltag und im beruflichen Umfeld - Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM). Der Kardiologe 2019;13: 216-235 

 

Kommentar: siehe Text-Passagen in Kursivschrift